Anfang eines Ausnahmezustandes

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

2. Tim. 1,7

Schwere Zeiten sind auf uns zugekommen

Liebe Gemeinde, es sind schwere Zeiten auf uns zu gekommen, die unseren Alltag komplett umkrempeln. Mit einem Male wird alles anders und es fühlt sich auch anders an.
Letzte Woche waren wir mit unseren Konfirmanden auf einer Freizeit im Odenwald. Wir haben die Vorstellung der Konfirmanden vorbereitet und waren guter Dinge, etwas Schönes zustande zu bringen. Die Stimmung war gut, und wir konnten uns intensiv mit dem Thema Rassismus beschäftigen. Unser Hauptproblem war das regnerische Wetter dieser Tage, und wir überlegten ob wir unseren Konfirmanden die geplante Stadtrallye zumuten sollten. Wir haben die Konfirmanden schließlich losgeschickt, und es ging auch irgendwie. Einen Tag später, es war mittlerweile Freitag, der 13. überschlugen sich die Nachrichten, die wir genauso wie unsere Konfirmanden meistens auf dem Smartphone verfolgten. Einige schauten sich am Abend vorher noch das Spiel der Eintracht via Internet an, das vor leeren Rängen stattfand und ein wenig gespenstig wirkte. Es war wie ein Auftakt für das, was noch kommen sollte, die Ausgangssperre, die Absage von Gottesdiensten, Restaurantbesuchen und jedwedem geselligen Beisammensein.

Keine Besuche mehr und keine Gottesdienste

Es fiel mir in dieser Woche schwer, keine Geburtstagsbesuche zu machen. Es gab zwei 80. Geburtstage, zwei Frauen, die sich gewiss schon auf eine schöne Geburtstagsfeier gefreut hatten und die, die freundlichen Gratulationen bestimmt auch verdient hätten. Gemäß den Verhaltensmaßregeln unserer Kirche konnte ich leider nur telefonisch gratulieren. Dabei bin ich auf Verständnis gestoßen, gewiss, aber traurig ist es irgendwie schon, wenn unser alltägliches gestaltetes Leben so einfach stillgestellt wird und scheinbar nichts mehr erlaubt ist und geht.

Es gibt viele Unsicherheiten

Im Moment gibt es viele Unsicherheiten. Wir wissen nicht wie es weitergehen wird. Ob und wann z. B. die Konfirmationen stattfinden werden. Geplant waren sie für Anfang Mai, doch inzwischen heißt es, dass sie auf die Zeit nach den Sommerferien verschoben werden sollen. Auch die Goldene Konfirmation steht in den Sternen. Vieles werden wir wohl aussetzen und verschieben müssen. Ich hoffe, aber dass nach den Sommerferien das Schlimmste überstanden sein wird. Jede Grippewelle ebbt irgendwann ab, und so Gott will, wird es auch mit der Corona Infektion so sein. Die neusten Zahlen aus China lassen das jedenfalls erhoffen.

Beerdigungen in Zeiten von Corona

Zweimal mussten wir in der vergangenen Woche Abschied nehmen. Es waren zwei liebe und bekannte Roder Bürger und Gemeindeglieder, die wir zu Grabe tragen mussten. Die Trauerhalle in Rod stand offen, und wir hatten vereinbart, dass nur die engsten Familienangehörigen in der Trauerhalle Platz nehmen sollten. Andere Trauernde mussten dagegen vor der Halle warten. Das war nicht nur ungewohnt für uns alle, es war wie auch immer schmerzhaft, voneinander Abstand zu halten und sich noch nicht einmal die Hand geben zu können. Wir mussten von lieben Menschen Abschied nehmen und das allein ist schwer genug. Doch durch die gegenwärtige Corona Krise wurde dieser Abschied noch zusätzlich schwer gemacht, denn wir konnten uns nicht so beistehen, wie wir das normalerweise getan hätten und wie es auch angemessen gewesen wäre. Wir mussten auf enge Kontakte verzichten, die uns doch eigentlich gutgetan hätten.

Die Krise verlangt uns einiges ab

Es ist schwer damit umzugehen und wird uns auch in Zukunft noch einiges abverlangen. Doch wir können einander beistehen, auch wenn wir räumlich voneinander getrennt sind. Reden ist möglich, wenn auch nur in winzigen Gruppen, doch auch das hilft schon. Wir können aneinander denken und nicht zuletzt auch für andere beten. Auch Anrufe sind hilfreich. Es ist glaube ich wichtig zu spüren, dass wir nicht allein sind, und andere mit uns auf dem Wege sind diese Krise zu bewältigen. Wir sollten auch unseren verantwortlichen Politkern Vertrauen entgegenbringen und selber Verantwortung für uns Handeln, das uns zur Kontaktreduzierung zwingt, übernehmen. Es gilt besonnen zu bleiben und auf Gott zu vertrauen. Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können, die wir hinnehmen müssen, wo wir abwarten müssen, dazu schenke Gott uns die Kraft und die Gelassenheit nicht die Nerven zu verlieren. Es gibt aber auch Dinge, die wir ändern können, die durch unser Verhalten beeinflusst werden können, dazu schenke Gott uns die Kraft und auch den Mut. Was wir hinnehmen müssen und was wir ändern können, darüber gibt es sicher verschiedene Meinungen, auch gerade jetzt im Angesicht einer Pandemie, deshalb lasst uns beten, dass Gott uns die Weisheit schenkt, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Gefühle ausbalancieren

Es ist, glaube ich, zur Zeit normal, dass wir in dieser Krise traurig, ängstlich oder verwirrt und wütend sind. Wir sind jetzt gewissermaßen alle in einem Krisenmodus, in dem die Angst dominiert. Angesichts immer neuer Meldungen im Fernsehen und auf dem Smartphone fällt es uns zunehmend schwer die eigenen Gefühle auszubalancieren. Ständig gibt es neue Nachrichten, neue Zahlen und neue Verschärfungen der Situation. Die verfügte Ausgangssperre verstärkt zu dem das Gefühl hilflos eingesperrt zu sein und irgendwie nur ohnmächtig zuschauen zu können. Wir erleben einen Kontrollverlust, den die meisten von uns, so noch nicht erlebt haben. Doch wir sind nicht wirklich allein in dieser Krise. Und alle Maßnahmen, die jetzt getroffen worden sind, sollen uns dabei helfen, die Krise gut zu überstehen. Sie sind nicht gegen uns gerichtet, sondern für uns und sie möchten uns zu Partnern machen, die mithelfen gemeinsam Leben zu beschützen und zu retten. Deshalb sollten wir uns nicht von Angst leiten lassen, nicht vom Geist der Furcht, wie es in der Bibel heißt, sondern von der Liebe und der Besonnenheit. Es bringt wenig nur die Nachrichten zu verfolgen und sich einzuigeln, stattdessen hilft es uns allen, wenn wir unseren Alltag auch zu Hause und im gegenseitigen Miteinander aktiv gestalten, miteinander reden und arbeiten, spielen und beten. Vielleicht kommen wir uns auf diese Weise auch näher als sonst. Glauben schafft Bewährung, und daran wächst unsere Widerstandskraft und die Fähigkeit, die Krise anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien viel Mut und Kraft in dieser schwierigen Zeit, aber auch Gelassenheit und Widerstandskraft. Gott segne Sie.

Pfarrer Peter Lehwalder

Segen

Gott sei bei euch wie eine Mutter
mit ihrer Fürsorge, mit ihrem Trost
mit ihrer Kraft zum Aufstehen und zu neuem Leben.
Gott Mutter sei bei euch.
Und segne und behüte sie euch.

Amen