Beten in schweren Zeiten

Psalm 91 (aus der Bibel)

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Psalm 91

Ein Handel mit Gott

Es ist ein uralter menschlicher Reflex. Wenn wir uns einer übermächtigen Gefahr oder einem übermächtigen Gegner gegenüber sehen, versuchen wir zu verhandeln. Oft wird mit Gott gehandelt und manchmal mit dem Tod. Im Alten Testament verhandelt Abraham mit Gott um den Untergang von Sodom und Gomorra zu verhindern. (1. Mose 18,16ff.) Doch welche Argumente hat Abraham? Die Verhandlungspartner einigen sich schließlich nach langen Verhandlungsrunden. Wenn sich zehn Gerechte in Sodom und Gomarra finden ließen, so würde Gott die Städte nicht untergehen lassen. Leider fanden sich keine zehn, und die Städte gingen wie wir alle wissen unter. Es ist schwierig mit Gott zu handeln, denn was können wir als Gegenleistung anbieten? Ist es nicht immer zu wenig, im Angesicht der Schuld und der Probleme, die wir täglich auf uns laden? Wer mit Gott rechten will, wie es die Bibel nennt, kann wenig in die Waagschale legen, gerade auch deshalb weil wir nicht das tun, was wir uns eigentlich vorgenommen haben und unsere Taten hinter unseren Absichten zurückbleiben. Welche Argumente könnten wir in so einer Verhandlung vorbringen, wie sie einst Abraham geführt hat und auf was könnten wir pochen. Was ist diese Welt wert und warum sollte sie nicht untergehen? In allen diesen Fragen geht es letztlich geht es darum, was unser Leben wert ist und warum es gut ist.

Leichter ist es aufzuzählen was nicht gut ist, etwa wie sehr wir durch unsere Art zu leben, die natürlichen Lebensgrundlagen zerstören. Umweltzerstörung, Klimakrise, Hunger und Krieg sprechen eindeutig gegen uns, auch wenn wir als Einzelne dafür nicht unbedingt verantwortlich sind. Was also tun? Wie verhandeln? Im 17. Jahrhundert kamen die Leute von Oberammergau auf die Idee ein Passionsspiel aufzuführen um die Pest abzuwenden. Damals rissen sowohl in Schwaben als auch in Bayern ansteckende Krankheiten ein. Oberammergau blieb allerdings durch fleißiges Wachehalten vor der Ansteckung bewahrt bis zum Kirchweihfeste 1632. Da brachte ein Einheimischer die Pest ins Dorf. Um das große Leidwesen, das die furchtbare Krankheit über den kleinen Ort brachte, abzuwenden, beschlossen die Gemeindevertreter schließlich eine Passionstragödie aufzuführen und alle zehn Jahre zu wiederholen. Sie nannten das ein „Verlöbnis“. Der Legende nach sei von dieser Zeit an kein einziger Mensch mehr gestorben, obwohl noch etliche die Pestzeichen an sich hatten.

So haben sich die Menschen schon vor Zeiten geholfen und mittels ihres Glaubens etwas Schönes zustande gebracht, dass uns bis heute begleitet. Sie haben die Krise zum Anlass genommen, um die Gemeinschaft zu stärken und um Vertrauen zurückzugewinnen. Sie haben sich dem Leiden Christi angenähert und darin ihr eigenes gesehen. Sie haben Reue gezeigt und Gott um Gnade und Vergebung gebeten. Ähnlich wie Abraham hat auch Jesus sich für die Menschen eingesetzt. Als er zwischen zwei Räubern gekreuzigt wurde, wandte er sich an Gott und sprach: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht was sie tun!“ (Lukas 23,34) Wahrscheinlich meinte Jesus uns damit, denn wir wissen eben wirklich nicht immer, was wir tun und ob das, was wir tun sinnvoll und hilfreich ist. Oft ist es das nicht. Wir leben und handeln, und betrachten doch die Folgen unseres Handelns zu wenig. Doch jedes Tun hat Folgen, und die fallen wie auch immer auf uns zurück. Jesus bittet deshalb für uns um Vergebung, um uns vor dem Schlimmsten zu bewahren, vor uns selbst, vor den Folgen unseres Handelns. Eigentlich hätten die Menschen, die den Tod Jesu verursacht und durchgeführt haben, eine Strafe verdient, vielleicht sogar den Tod. Doch Menschen sind so, wie sie sind, gierig und neidisch, ängstlich und zornig, sie neigen zu Hamsterkäufen und stellen sich vernünftig in Schlangen an, sie übernehmen Verantwortung und lassen sich nichts vorschreiben, sie können rücksichtsvoll sein und fünf gerade sein lassen, kühl und leidenschaftlich, verbohrt und träumerisch, sie können ihr Herz sprechen lassen oder alles abblocken. Sie glauben richtig zu handeln, und nehmen um ihres Vorteils willen, vieles in Kauf, doch am Ende leben sie von Gnade Gottes und von der Barmherzigkeit anderer Menschen. Gnade und Barmherzigkeit sind auch jetzt in unserem täglichen Umgang miteinander gefragt, sie sind die Möglichkeiten die uns zu jederzeit schenkt und sie erweisen sich im Guten wie im Schweren. Möge Gott uns Gnade schenken und zur Barmherzigkeit verhelfen.

Gebet um Bewahrung

Segne unsere Heimat, unsere Wohnungen, unsere Felder und Früchte;
segne unser Eigentum, das wir durch deine Güte empfangen haben;
segne all die Unsrigen, segne uns an Leib und Seele.
Bewahre uns in Gnaden vor Feuer, Stürmen und Hagel;
schütze uns vor allgemeinen Plagen, vor Pest und ansteckenden Seuchen,
vor Hunger Teuerung, vor Schaden und Unglück,
und vor allem vor Verblendung und Hass.
Lass uns im Guten immer mehr wachsen,
vergib den Reumütigen die Sünden, tröste die Traurigen,
richte auf die Gebeugten, hilf den Verlassenen,
leite die Verirrten auf den Weg des Heils,
stärke die Sterbenden und verleih‘ den Verstorbenen die ewige Ruhe im Frieden

Erbauungsbuch für kath. Christen – Joh. Mich. Hauber, Regensburg 1842