Es spitzt sich zu

Palmsonntag – Die Krise spitzt sich zu

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Ich bin elend und voller Schmerzen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!
Gott, nach deiner großen Güte
erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Psalm 69

Eröffnet wird die Karwoche mit dem Palmsonntag. Der Palmsonntag schildert den Einzug Jesu nach Jerusalem. Die Menschen jubelten Jesus zu und streuten ihm grüne Zweige auf den Weg in die Stadt. Wenige Tage später wurde er gekreuzigt.

Mit dem Einzug Jesu nach Jerusalem spitzt sich die Situation zu. Viele Erwartungen ruhten auf ihm, die Hoffnung auf Befreiung lebte auf, der Glaube, dass jetzt alles besser werden würde. Andere hegten Befürchtungen: Was wenn es zu einem Aufstand kommt? Was wenn die Situation unkontrollierbar wird. Wenn Ordnung nur noch mit Gewalt hergestellt werden kann? Was ist, wenn der Handel zum Erliegen kommt und keine Geschäfte mehr gemacht werden können? Wenn die Preise steigen und die Nahrungsmittel knapp werden? Wenn die öffentliche Ordnung und die religiösen Gepflogenheiten nichts mehr gelten?

In so einer Situation ist Handeln angesagt. Ein Krisenstab muss Entscheidungen treffen und möglichst schnell, damit die Lage nicht eskaliert. Das ist die Stunde der politischen Eliten, der Anführer, der Krisenmanager. Mit kühler Vernunft und mit Sachlichkeit muss abgewogen werden, was zu tun ist. Und man darf auch vor schweren einschneidenden Entscheidungen nicht zurückschrecken. Solche Entscheidungen tun weh, aber sie sollen eben auch schlimmeres verhindern. Es ist wie im Krieg, Opfer müssen gebracht werden, um unser Leben schützen.

In Jerusalem kam der Hohe Rat damals auf die Idee: „Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe.“ Es ist eine einfache Rechnung, die den Todesbeschluss Jesu begründet. Sie ist sauber und korrekt abgeleitet und bis heute nachvollziehbar. Im Zweifel entscheiden die Zahlen, es ist besser wenn es nur einen trifft statt viele. Es ist sinnvoll einen zu opfern, um viele zu retten. Diese Logik funktioniert immer noch. Sie ist zeitlos. Wenn unsere Krankenhauskapazitäten nicht ausreichen, müssen wir abwägen, wer Beatmungsgeräte bekommt und wer nicht. Es sind keine leichten Entscheidungen aber sie müssen getroffen werden. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Es gilt zu retten, was zu retten ist. Einzelschicksale zählen dagegen wenig.

Gott, du weißt, was ich jetzt brauche:
Worte, die nicht belanglos sind,
Trost, der mich annimmt und ermutigt,
eine Hand, die meine Sorgenfalten glattstreicht,
ein Ohr, das meine Stimme kennt,
ein Haus, in dem ich sicher wohnen kann.
Du weißt besser als ich, was ich brauche.
Denn du bist mir nahe, näher als ich mir selbst.
Lass mich nicht im Stich und gib mir Lebenskraft.
Lass mich einen Weg finden,
Hilf mir zurechtzukommen und schenk mir Klarheit.
Amen.

Amen.