Osterfreude in der Krise

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen,
des Todesreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.
Doch ich sprach: „Ach Gott, errette mich!
Wenn ich schwach bin, so hilfst du mir.
Du wirst meine Seele vom Tode erretten,
mein Auge von den Tränen,
meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde leben und Gott dankbar sein.

Psalm 116

Freude in Zeiten der Krise?

Wir hatten uns auf Ostern gefreut und wahrscheinlich hat auch insgeheim die Hoffnung mitgespielt, dass die Ausgangsbeschränkungen bald gelockert werden könnten. Natürlich hat auch das schöne Wetter während der österlichen Tage dazu beigetragen, zuversichtlich nach vorne zu schauen. Und unsere Hoffnungen trügen nicht. In dieser Woche nach Ostern setzen sich unsere regierenden Politiker zusammen, um neue Maßnahmen zu besprechen, wie es für uns alle weitergehen könnte. Im Gespräch sind Öffnungen des Schulbetriebes und die Öffnungen kleinerer Geschäfte. Nachdem sich die Geschwindigkeit der Neuansteckungen mit dem Covid Virus verlangsamt hat, geht es jetzt darum das öffentliche Leben wieder in die Hand zu nehmen und vorsichtig zu gestalten. Wir fragen uns natürlich auch, wenn wir wieder Gottesdienste halten könnten und wann das Gemeindeleben wiederaufleben kann. Wir mussten unsere Konfirmationen in den Herbst hinein verschieben, die Goldene Konfirmation wird jetzt voraussichtlich im Oktober stattfinden. Hoffentlich können wir diese Termine am Ende auch einhalten.

Perspektiven nach Ostern

Wie geht es weiter? Diese Frage beschäftigt uns zunehmend. Viele werden auch langsam ungeduldig, den Ermahnungen unserer Politiker zum Trotz. Wir möchten unser ganz normales Leben zurück. Ob es aber wirklich nach der Krise noch dasselbe ist wie vorher, ist zumindest fraglich. Die meisten von uns haben so eine einschneidende Krise noch nicht erlebt, eine Krise die alle betrifft und nicht nur einen allein. Wahrscheinlich glaubten wir uns davor gefeit. So als könne, so etwas nicht bei uns, nicht in unserem Land passieren, als hätten wir Sicherheit und Wohlstand für immer gepachtet. Doch diese Krise lehrt uns, dass es jeden treffen kann, Jung und Alt, Reiche und Arme, den Norden und den Süden. Die Krise zeigt uns, dass wir Menschen sind, verletzlich und gefährdet, vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Es gibt keine absoluten Sicherheiten. Berge können wanken und Hügel hinfallen, heißt es in der Bibel, die Welt, die wir kennen, ist immer in Bewegung, und das betrifft auch uns. Der Grund, auf dem wir stehen, schwankt, und unsere Möglichkeiten und Aufgaben bestehen darin, diese Unsicherheiten auszubalancieren, mit Klugheit und mit Können. Das heißt aber, dass wir diejenigen sind, die sich anpassen und umstellen müssen. Wir sind auf die Natur angewiesen, sie aber nicht auf uns. Die Krise erinnert uns an diese einfache Wahrheit und vielleicht verhilft sie uns zu mehr Demut der Schöpfung gegenüber, zu mehr Solidarität mit den Menschen und zur Ehrfurcht vor dem Lebendigen.

Was hat die Auferstehung Jesu Christi bewirkt?

Wie geht es weiter? Nach dem Osterfest haben sich die Christen früher darüber Gedanken gemacht, was die Auferstehung Jesu Christi von den Toten bewirkt hat bzw bewirken könnte. Was hat diese Auferstehung damals ausgelöst und was kann sie viele Jahre später und immer noch auslösen, auch wenn uns der Gedanke an eine leibliche Auferstehung inzwischen fremd geworden ist.

Bedrohung und Rettung

Es ist glaube ich eine doppelte Erfahrung, die mit dem Osterfest und der Auferstehung Jesu Christi einhergeht. Auf der einen Seite erinnert uns das Osterfest an das Leid und den Tod, der riskiert und ausgehalten werden musste, um des Lebens willen und auf der anderen Seite malt es das Erlebnis gnädiger Rettung in warmen und bunten Farben aus. Wie eigentlich immer in der Bibel werden Bedrohung und Errettung eng aneinander geklammert. Auch Ostern ist ein Symbol dafür, dass neues Leben möglich ist und geschenkt werden kann, auch nach schlimmen todbringenden Erlebnissen und Erfahrungen. Ostern ist ein Symbol der Wandlung. Es zeigt uns wie gefährdet unser Leben ist, zu jederzeit, aber auch welche Möglichkeiten und Kräfte es freisetzen kann, Kräfte, die uns um Erfahrungen gereifter, wieder etwas Neues anfangen lassen.

Wandeln und nicht müde werden

In dem Predigttext, der für den heutigen Sonntag vorgesehen ist, heißt es: „Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werde, dass sie wandeln und nicht müde werden. Jesaja 40,28ff.

Müde und matt werden wir immer wieder im Laufe unseres Lebens, müde und matt nach jedem Tag. Das gehört, glaube ich, zum Leben dazu. Leben ist anstrengend, Konflikte, Aufgaben, Arbeiten und Beziehungen kosten Kraft und ermüden uns. Und wenn mir die Kraft oder die Lust fehlt, etwas anzufangen oder mich an etwas heranzuwagen, fühle ich mich matt und ausgelaugt. Ich weiß, ich muss gelassen sein, Energie auftanken, und den Kopf freikriegen von lähmenden und grübelnden Gedanken.

Müde und ausgelaugte Jüngerinnen und Jünger Jesu

Ich stelle mir vor, dass es den Jüngerinnen und Jünger um Jesus nach seinem Tod ähnlich ging. Wahrscheinlich waren sie auch müde und matt, ausgelaugt und resigniert und wussten nichts mit sich anzufangen. Trauer und Schmerz betäubte und lähmte sie. Doch nach einiger Zeit löste sich dieser Schmerz, und sie erinnerten sich und fanden Worte und konnten darüber sprechen. Und mit den Erinnerungen kamen auch neue Perspektiven und Erfahrungen. Das hat mit Auferstehung Jesu Christi zu tun und seinem Versprechen: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Das Leben liegt immer vor uns, auch wenn wir es in unseren Erinnerungen hinter uns vermuten. Es weckt Gedanken an die Zukunft, an das was kommt, an das was vor uns liegt. Es lässt uns über uns selbst hinaus wachsen. Wir wachsen mit den Aufgaben, auch wenn wir am Anfang nicht so recht wissen, wie das gelingen kann. Doch am Ende scheint es so als wären uns Flügel gewachsen, die uns hinauftragen und die Welt von Neuem eröffnen.

Fürbitte in der Osterzeit

Gott, du schenkst uns Leben und Lebendigkeit.

Ostern ist dieses Jahr anders als sonst. Es gibt kein großes Fest, keine Gottesdienste, keine Ausflüge, doch um uns herum ist Leben, Leben inmitten von Leben.

Viele Geschäfte sind geschlossen. Die Städte sind leer. Wir bleiben zu Hause. Viele sorgen sich um ihre Zukunft. Was wird kommen. Unsere Hoffnungen und Ängste bringen wir vor dich Gott, denn du kennst uns.

Von vielem müssen wir uns verabschieden. Und der Abschied von lieben vertrauten Menschen fällt uns unter diesen Bedingungen noch schwerer als sonst. Wir suchen Trost und Gemeinschaft und bitten dich, lass uns nicht müde und matt werden, schenkt uns neue Lebenskraft.

Gott, mitten in der Krise, denken wir auch an die Menschen auf der Welt, die nicht nur unter der Corona-krise leiden, sondern auch diejenigen, die unter Gewalt und Krieg, Vertreibung und Flucht, Hunger und Armut leiden, wir befehlen sie dir an, und wollen sie nicht vergessen.

Gott, auf dich vertrauen wir, denn du schenkst uns das Leben, jeden Tag von Neuem.

Amen.