Ostern – die Auferstehung Jesu Christi

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden,
Gott behält den Sieg.
Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des Herrn Werke verkündigen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Psalm 118

Am Ostersonntag freut sich die Christenheit über die Auferstehung Jesu Christi. Die Feier der Auferstehung beginnt schon in der Osternacht. Einem alten Brauch nach wird die Osterkerze zu Beginn der Osternachtfeier von Karsamstag auf Ostersonntag am geweihten Osterfeuer entzündet und in die vollkommen dunkle Kirche getragen. Symbolisch soll damit sichtbar werden, dass Jesu der Ursprung des Lebens ist und Licht in die Dunkelheit bringt.

„Mit dem Tod ist alles vorbei,“ glauben wir vielleicht. Das stimmt einerseits, denn mit dem Tod findet ein individuelles Leben sein Ende. Wir tragen unsere Verstorbenen zu Grabe und wir wissen, dass nie mehr so sein wird wie früher. Das ist schmerzlich. Als ob eine ganze Welt zerbrochen wäre. Und dann müssen wir noch einmal von vorne anfangen und uns neu organisieren. Wir müssen mit weniger zurechtkommen. Mit weniger Zuspruch, mit weniger Hilfe, mit weniger Gemeinschaft. Das ist nicht einfach. Das braucht seine Zeit. Die Welt, die wir zu kennen glaubten, ist nicht mehr so wie sie war. Das Leben, der Alltag fühlt sich jetzt anders an. So wie im Traum, manchmal wie hinter Glas, unwirklich und fremdartig. Sterben und Tod haben ihre Spuren hinterlassen und uns gefangen genommen. Der Schmerz um einen Menschen bindet uns, nicht die Dankbarkeit oder die Freude.

Am Ende seines Evangeliums erzählt der Evangelist Lukas, wie zwei Jünger Jesu von Jerusalem nach Emmaus gehen. Sie sind traurig und mutlos. Unterwegs schließt sich ihnen ein Fremder an, dem sie alles erzählen, was ihnen am Herzen liegt. Als es Abend wird, bitten sie ihn schließlich zu bleiben: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.“ Und da geschah es, als sie zusammen zu Tisch saßen, nahm der Fremde, das Brot, dankte und gab es ihnen. In diesem Moment wurden ihnen die Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Es war Christus, der Auferstandene. Da fanden sie neuen Mut und die Hoffnung kehrte wieder in ihre Herzen zurück.

Vor einiger Zeit blickten wir noch zuversichtlich auf das Osterfest. Wir hegten die begründete Hoffnung, dass an Ostern der gesellschaftliche Ausnahmezustand wieder aufgehoben würde. Der amerikanische Präsident jedenfalls stellte das seinem Land in Aussicht: „Ich würde es lieben, das Land bis Ostern wieder geöffnet und in den Startlöchern zu haben“, sagte Trump,“ Unser Land will zurück an die Arbeit.“ Doch leider sind solche Ankündigungen inzwischen Makulatur, auch in Deutschland. An Ostern werden wir deshalb keine Gottesdienste halten können, im kleinen Kreis sind aber immerhin Osterspaziergänge möglich, und Ostereiersuchen und -färben geht auch.

Die Krise hat die Welt und das Leben verändert, und die Welt wird auch nach Corona-eine andere sein. Schon jetzt wird eifrig darüber debattiert, wie in Zukunft das Gesundheitswesen und das wirtschaftliche Leben aussehen könnte, wie die Mängel, die jetzt nur allzu deutlich wurden, behoben werden können. Aber auch die Frage, wie wir zukünftigen Krisen begegnen können, wird beantwortet werden müssen. Der Schaden, den die Krise schon jetzt verursacht hat, ist gigantisch, und wird uns in der Zukunft um so mehr beschäftigen.

An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Wir glauben daran, dass Gott Leben schenken kann, auch im Angesicht des Todes. Doch der Preis des Lebens ist der Tod. Nur wer bereit ist dem Tod ins Auge zu sehen, kann verwandelt daraus hervorgehen und ein neues Leben anfangen. Wer sein Leben gewinnen will, der muss es auch riskieren. Das ist nicht nur in schweren Zeiten so, sondern zu allen Zeiten. Darauf liegt der Segen Gottes, der durch den Tod hindurch ins Leben führt.

Ostern ist ein Symbol der Wandlung. Wir erleben wie der Frühling den Winter ablöst, und das Leben erblüht. Und mit der wärmenden Sonne entlässt uns die Kälte und schenkt uns neuen unverhofften Lebensraum. Es wird noch dauern, aber wir werden wieder rausgehen können, miteinander spielen und arbeiten, wir werden uns wieder nahe sein können. Es wird wieder gefeiert werden, geheiratet und Kinder werden geboren und wachsen auf. Das Leben wird weitergehen, und um Erfahrungen reicher werden wir es auch wieder genießen können. Christus spricht: Ich lebe, und Ihr sollt auch leben. Fürchtet euch nicht! Ich wünsche Ihnen eine gesegnete und nachdenkliche Karwoche und eine hoffnungsvolle Osterzeit. Ihr Pfarrer Peter Lehwalder

Groß bist du Herr, Herr, und hoch zu preisen.
Groß ist deine Macht und deine Weisheit unermesslich.
Preisen will dich der Mensch,
ein geringer Teil deiner Schöpfung.
Preisen will ich dich unter der Last meiner Sterblichkeit,
unter der Last meiner Sünde.
Auch unter der Last deines Widerstandes,
mit der du den Hochmut dämpfest,
will ich dich preisen.
Du lockst uns, dich zu preisen
und darüber fröhlich zu werden.
Du hast uns zu dir geschaffen,
und unruhig ist unser Herz,
bis es Ruhe findet in dir.
Ich will dich suchen, Herr.
Wer dich sucht, der wird dich finden.
Dann wirst du es sein, der in uns ruht,
und deine Ruhe in uns wird unsere Ruhe sein.
Gib uns Frieden, Herr, Frieden ohne Ende.

Augustin