Der Herr ist mein Hirte

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir.
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23
Jesus, der gute Hirte

Der zweite Sonntag nach Ostern

Am Sonntag Miserikordias Domini ( = die Erde ist voll der Güte des Herrn), dem zweiten Sonntag nach Ostern, erinnern wir uns an den „guten Hirten.“ Das Bild des guten Hirten zieht sich wie ein immer wiederkehrendes Leitmotiv durch die Bibel. Im Alten Testament konnte man die Könige als gute Hirten ansehen, die ihr Volk weideten und beschützten. Im Neuen Testament haben unsere Vorfahren Jesus Christus als guten Hirten betrachtet und verehrt. Älter als die Kreuzigungsdarstellungen sind die ersten Bilder, die Jesus als guten Hirten darstellten, der ein Lämmchen auf seinen Schultern trug und es in Sicherheit brachte.

Der Hirte in biblischer Zeit

In biblischer Zeit hüteten die Hirten ihre Herden und hielten sie zusammen und schützten sie vor Gefahren. Die Hauptaufgabe bestand darin die Herde zusammenzuhalten und immer wieder neue Weidegründe zu erschließen. In der agrarischen Gesellschaft der Antike kam es auf jedes einzelne Tier an. Verschwand der Hirte oder kümmerte er sich nicht richtig um seine Tiere, dann schwebte die ganze Herde in Gefahr. Die Sicherheitslage damals war insgesamt bedrohlicher als heute.

Hirten und Schafe

Von Hirten und Schafen sprechen wir bis heute in unseren Kirchen. Die kath. Kirche bezieht das Motiv des schützenden Hirten auf das Amt des Bischofs. Und wenn wir vom Herrn „Pastor“ sprechen, meinen wir damit eigentlich einen Hirten, denn das Wort Pastor stammt von dem lateinischen Wort „pastor“ ab. In der Kirche begegnet uns das Motiv vom guten Hirten immer wieder. Oft weist es uns auf das wiedergefundene Schaf, das der gute Hirte auf seinen Schultern trägt. Als Schafe bezeichnen wir dagegen oft die Gläubigen, die zu einer Herde zusammengefügt, zufrieden auf grünen Auen weiden sollen.

Das Hirtenmotiv

Im Motiv vom Hirten und seiner Herde kommt zweierlei zusammen. Die Aufgabe des Hirten ist es Sorge zu tragen, zu hegen und zu pflegen, und wenn wir an das verlorene Schaf denken, kommen auch Erfahrungen der Bedrohung mit ins Spiel, denn ein verirrtes und einsames Schaf, ist vielen Gefahren ausgeliefert und alleine für sich kaum lebensfähig.

Das Bild des Hirten und mit seinen Schafen berührt viele von uns seit Kindheitstagen. Es steht für Geborgenheit und Schutz in einer gefährdeten Welt. Da ist jemand, der mich beschützt und sich um mich kümmert. Und wenn es mir schlecht geht, lässt mich ein Hirte nicht im Stich. Jemand trägt Sorge für mich und mein Leben. Und selbst wenn wir diese glückliche Erfahrung nicht immer gemacht haben, so tragen wir sie doch als Sehnsucht in uns und möchten selber unsere Kinder, oder andere uns anvertraute Menschen, so umfassend beschützen.

Das Versprechen des Hirten

Als Erwachsene wissen wir, wie schwer es ist sich im Gestrüpp des Lebens zurechtzufinden. Vieles bedroht uns, und wir sind Gefahren von außen und von innen ausgesetzt, und manchmal verlieren wir uns sogar oder liebgewonnene Menschen. Dagegen steht das Versprechen des guten Hirten für uns und unsere Lieben zu sorgen. Jemand ist da, einer der verlässlich ist, und sich meiner annimmt. Einer oder eine hält alles zusammen und behütet uns. Im Grunde ist der gute Hirte, ein Bild für Gott, so wie wir uns ihn vorstellen können, eben als treuen und verlässlichen Menschenhüter, der uns immer begleitet und niemals im Stich lässt.

Angewiesen auf Hirten

Wenn ich darüber nachdenke, kann ich dem Motiv des guten Hirten viel abgewinnen. Es erinnert mich sowohl an meine Schutzbedürftigkeit, und daran wie angewiesen ich in vielerlei Hinsicht bin, auf die Hilfe vieler Menschen, und dem, was sie für mich tun können, wie jetzt z. B. an die Krankenschwestern, an die Ärzte, aber auch an diejenigen, die im Supermarkt Lebensmittel verkaufen. Ich bin in vielen Dingen auf andere angewiesen, und nehme diese Dienstleistungen gerne in Anspruch. Sie sind notwendig und sichern unser Leben, aber sie sind nicht selbstverständlich. Insoweit lasse ich mich gerne versorgen und bin dafür auch dankbar und vertraue ihnen auch.

Ich bin auch ein Hirte

Doch ich bin nicht nur angewiesen, und verhalte mich wie ein Schaf auf der Weide, das nach draußen will, sondern ich bin auch selbst verantwortlich und selbst Hirte, denn mir sind auch Menschen anvertraut, um die ich mich kümmern möchte. Meine Familie z. B., meine alten Eltern, meine Kinder und außerhalb meiner Familie, meine Arbeitskollegen, meine Angestellten, und nicht zuletzt, die Menschen mit denen ich zusammenlebe, denen ich täglich begegne, und die mich manchmal um Hilfe oder Rat fragen. Auch da mache ich mir Gedanken, wie ich meine Herde weiden lassen kann, damit sie alles Nötige zum Leben findet ohne dabei in unnötige Gefahr zu geraten. Hirte zu sein ist also gar nicht so leicht, und mag uns hin und wieder an unsere Grenzen führen. Niemand von uns kann für alles sorgen, und umgekehrt können wir uns auch einem anderen Menschen nicht völlig anvertrauen. Das wäre wahrscheinlich zu viel des Guten und überforderte uns als Hirten genauso wie als Schafe. Deshalb erhoffen wir uns von Gott, was von einem Menschen zu viel verlangt wäre. Trotzdem können wir füreinander Hirten und Hirtinnen sein und einander Nahrung, Orientierung, Schutz und Geborgenheit schenken und genauso auch empfangen.

Gebet

Gott, wir kommen zu dir und erinnern uns:
Wir erzählen Dir von unseren Sorgen,
Du kennst sie.
Wir erzählen Dir von unserer Freude.
Du weißt darum.
Durch Täler und über Berge,
gehst du mit uns
und geleitest uns
auf grünen Auen
und rechten Wegen
auch im finstern Lande.
Gib, dass Gutes uns folgt,
und wir bleiben können
in deinem Hause
immerdar.
Amen.