Jubilate Deo

Jauchzet dem Herren alle Welt.

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsingt zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen
vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist
in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsere Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Einstimmen in das Lob Gottes

Am dritten Sonntag nach Ostern werden wir eingestimmt in das Lob Gottes. Psalm 66 gibt heute den Ton an. „Jauchzet Gott, alle Lande,“ heißt es, und weiter „Lobsingt zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich.“

Das Lob dieses Sonntages gebührt Gott, und wenn wir genau darauf achten, seinen Werken und seiner Schöpfung. „Wie wunderbar sind deine Werke“ rühmt ein Psalmbeter. „Wie wunderbar sind deiner Hände Werk.“ Im Frühling ist es leicht in dieses Lob miteinzustimmen, wenn alles grünt und blüht und die Sonne scheint. Es ist ein Anblick, der unser Herz beschwingt und unsere Seele vielleicht ein wenig hüpfen lässt. Doch nicht allein die duftende und vielfarbige Natur lädt uns zum Jubilieren ein, es sind auch die vielen kleinen und großen Dinge, die uns aufatmen lassen und uns an Gottes Walten und Weben erinnern: Dass die Erde besteht und wir morgens aufstehen können, dass wir gesund sind oder wenn wir krank sind auch Hilfe finden können, dass alles seine Ordnung hat, auch wenn sie manchmal einengt. Wenn wir Gott loben, bringen wir zum Ausdruck, dass es schön ist zu leben, und wir zeigen uns dankbar, dass Gott es uns ermöglicht ebenso frei wie behütet, das Leben aus seiner Hand zu nehmen.

Leben inmitten von Leben

Die Schöpfung so wie wir sie verstehen ermöglicht Leben inmitten von Leben, wie Albert Schweizer einmal gesagt hat. Insofern reizt die Ehrfurcht vor dem Lebendigen zugleich zum Dank und zum Lob, dass jeden Tag die Sonne wieder von neuem aufgeht, dass auf den duftenden Frühling der Sommer folgt und Sonne und Regen sich abwechseln und der Himmel mit uns zieht, soweit die Wolken gehen. Und weil alles von Gott kommt, soll alles dankbar sein und Gott loben.

Alles was mir begegnet regt mich an und erfüllt mich. Die Welt bewegt sich und sie bewegt auch mich. Ich nehme teil und ich bin ein Teil von etwas, das meine Vorstellungen übersteigt. In biblischen Worten würde ich sagen, „meine Seele frohlockt“, das heißt sie lässt sich mitnehmen, ja sogar noch mehr, mitreißen, sie hüpft in mir, ich spüre die Lebendigkeit des Lebens.

Jubeln und jubilieren

Allerdings ist das nicht immer so. Vielleicht ist das sogar besonderen Momenten vorbehalten. Jubel und jubilieren kommt in unserem normalen alltäglichen Leben eher selten vor. Bei Sportveranstaltungen wird oft gejubelt. Wenn jemand ein Tor geschossen hat, oder wenn eine etwas vorgesungen hat und dann alle klatschen. In solchen Momenten werden wir mitgerissen und sind hin und weg. Bei Konfirmationen oder Hochzeiten reden wir von Jubilaren und Jubiläen. Das sind Anlässe, an denen wir auf unser Leben zurückschauen können, auf die Zeiten die wir geteilt und erlebt haben, und auch wenn die meisten darüber nicht in Jubel ausbrechen werden, so ist es doch für uns immer wieder ein Grund das Leben so anzunehmen wie es ist und es so zu feiern. Ob das laut oder leise geschieht ist unserem persönlichen Geschmack vorbehalten.

Oft ist statt Jubel eher Dankbarkeit angesagt, etwa die ansteckende Freude, die ich erlebe, wenn ich einem offenen und zufriedenen Menschen begegne, wenn etwas gelingt und ich glücklich ankomme.

Man sollte mehr loben

Natürlich könnte man sagen, man sollte mehr loben, vor allem andere aber auch sich selbst oder Gott. Doch Lob lässt sich nicht verordnen. Es kommt von innen und ist mehr als eine pflichtgemäße Wertschätzungsübung. Insofern kann die Aufforderung zu loben, kein Befehl sein, dem man gehorsam folgen muss, sondern ein Aufruf miteinzustimmen und die Werke und Weisen Gottes wahrzunehmen und sich davon inspirieren zu lassen.

Vor dem Hintergrund des Lobes Gottes bekommt auch unser Predigttext aus dem Johannesevangelium einen besonderen Sinn. Es sind die bekannten Worte, die uns an das Abendmahl erinnern.

Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Johannes 15,5

Das Bild des Weinstocks erinnert uns daran, dass Gott in seiner Schöpfung präsent ist und in ihr atmet und wirkt. Wir sind ein Teil dieser wunderbaren Schöpfung, die Leben schenkt und erhält. Solange wir mit ihr verbunden sind, nährt sie uns und lässt uns wachsen, so dass etwas aus uns werden kann, zum Lob Gottes und unserer Nächsten.

Jauchzen und Jubeln

Jauchzen – macht Spass.
Jubeln – ich wünsche es mir.
Beten – gestern, heute und morgen.
Wir kommen zu dir, Gott.
Wir wollen jauchzen, jubeln und sehen:
Dass deine Werke wunderbar sind.
Dass du alles in deiner Hand hältst.
Dass du unsere Füße nicht gleiten lässt.
Lass unser Herz hüpfen und springen.
Schenk uns Hoffnung und Mut.
Von dir kommt alle Lebenskraft,
lass uns daraus schöpfen
und dir die Ehre geben.
Amen.