Osterkerze in Rod an der Weil

Singet dem Herrn ein neues Lied

Vierter Sonntag nach Ostern

Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
Und die Völker, wie es recht ist.

Psalm 98

Mit Musik geht vieles leichter

Mit einem Lied auf den Lippen geht vieles leichter. Eine Melodie zu summen hebt die Laune und vertreibt sogar die Angst. Wenn ich im dunklen Keller als Kind leise pfeife, höre ich wenigstens eine Stimme und fühle mich nicht allein. Musik verhilft zu einem beschwingteren und weniger ängstlichen Leben.

Musik ist ein Geschenk Gottes

Martin Luther sah das früher ganz ähnlich. Er formulierte einmal in seinem eigenen, für uns ungewohnten, Lutherdeutsch: „Musica ist das beste Labsal eines betrübten Menschen, dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird.“ In unserem heutigen Deutsch würden wir sagen: „Musik ist die beste Stärkung für einen betrübten Menschen. Dadurch wird das Herz wieder zufrieden, neu belebt und erfrischt.“ Klar ist jedenfalls Musik baut auf, beschwingt und kann Ängste in Schach halten. Für Luther stand zwar die Bibel im Mittelpunkt aller seiner Überlegungen, doch danach kam bei ihm gleich die Musik. In seinen Augen war die „Musica eine Disziplin- und Zuchtmeisterin, die die Leute gelinder und sanftmütiger, aber auch sittsamer und vernünftiger machen würde.“ Außerdem war er davon überzeugt, dass die Musik eine Gabe und ein Geschenk Gottes sei, das den Teufel vertreibt und die Leute fröhlich macht.

Musik stiftet Gemeinschaft

Von diesen Eigenschaften kann man sich bis heute überzeugen. Wo viel los ist, klingen auch viele Stimmen und die Musik spielt auf. Jede Generation hat ihre Lieder und Schlager, und das unterscheidet uns genauso wie es uns verbindet. Die Geschmäcker sind verschieden aber die Themen der Lieder sind doch über Jahrhunderte hinweg gleich geblieben. Meistens geht es um Liebe und Tod, die Natur und den Alltag, die kleinen und die großen Momente in unserem Leben, Beziehungen und Abschiede. Man könnte sagen, dass es für jede Gelegenheit ein Lied gibt, eine Melodie, die uns begleitet, wenn wir verliebt sind genauso, wie wenn wir uns verabschieden müssen, wenn wir feiern wie wenn wir weinen. Die Melodien greifen unsere Gefühle und Gedanken auf, setzen sie in Bewegung und schenken ihnen einen Raum, den wir mit anderen teilen können. Insofern stiftet Musik Gemeinschaft. Wir können alleine singen aber auch mit vielen anderen zusammen. Melodien und Lieder verbinden uns mit den Menschen, die vor uns waren und wer weiß vielleicht auch mit denen, die nach uns kommen werden.

Singt dem Herrn ein neues Lied

Am Sonntag Kantate heißt es auch in unserer Kirche Lieder und Choräle anzustimmen und mitzusingen. Schön wäre es jedenfalls. Aber es ist leider im Augenblick verboten, zudem wir gleichzeitig auch noch gehalten sind, Schutzmasken zu tragen, ist das auch technisch kaum sinnvoll möglich. Deshalb müssen wir uns heute auf das Musikhören beschränken und den Klängen lauschen, die etwa die Orgel uns zu Gehör bringt. Immerhin, die Ohren müssen wir nicht verschließen und das ist gut so, denn auch im aufeinander hören erschließt sich uns die Welt und das Lob Gottes.

„Singet – cantate!“

Am heutigen Sonntag gibt Psalm 98 gibt den Ton an. „Singt (cantate) dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Mit den Menschen der Bibel besingen wir die Wunder des Lebens, die Gott uns schenkt. Wir denken dabei an seine Schöpfung, aber auch an Erfahrungen von Rettung und Bewahrung. Nicht zuletzt bringen wir auch Klagelieder vor und teilen darin unsere Sehnsüchte und Hoffnungen mit. Wenn wir aufgefordert werden neue Lieder zu singen, dann nicht weil die alten Lieder nichts taugen würden, oder zu schwer verständlich sind und nur etwas für alte Leute wären, sondern weil jede Generationen ihre eigenen Erfahrungen hat und ihre eigene Sprache und Melodie finden muss, die zu ihr passt und ihr Lebensgefühl wiedergeben kann. Ist es nicht so, dass wir immer wieder neu unsere eigenen Worte und Melodien finden müssen, die das ausdrücken, was uns bewegt und was uns auf dem Herzen liegt? Lieder sind ein Spiegel der Seele, die in Gott ruht und in die Welt hinaus musiziert. Sie verbinden uns untereinander zu einer Sprache des Herzens, die jeden anrührt und bewegt. Sie vertreiben die Sorgen ein wenig und machen unser Herz leichter.

Gebet

Lasst uns einstimmen
zusammen mit allem was lebt,
mit dem Lachen der Kinder,
mit unserem Fühlen und Empfinden,
mit sanfter Stimme und Zärtlichkeit
mit den alten Erzählungen.
Und lasst uns einstimmen
in das Musizieren der Vögel,
und das Rauschen der Blätter,
und alles werde zu einem Lobgesang.
Freuen will ich mich
an dem Leben, das du schenkst,
auch unter Tränen.
Singen will ich dir,
auch wenn mir die Worte fehlen,
Loben will ich dich
über den Horizont hinaus,
denn du bist Musik in meinem Herzen.
Du verwandelt meine Klage in einen Tanz,
schenkst mir Freude,
Schönheit zu besingen
und dich ewig zu loben.

Kategorien Ansprache Kirche Kirchenjahr

Hallo, ich heiße Peter Lehwalder und bin evangelischer Pfarrer. Ich liebe meine Arbeit und den Kontakt mit Menschen. In meiner Freizeit wandere ich gerne und laufe, ich mag Bücher und spiele Online-Rollenspiele. Ich bin neugierig auf Gott und die Welt.