Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes

Wir hören aus der Apostelgeschichte wie es überall braust, weht und atmet, wie die heilige Geisteskraft Menschen anrührt und beschwingt. Doch mit dem Geist ist es so eine Sache. Er ist für uns unsichtbar und wir können ihn nicht greifen. Auch den Wind sehen wir nicht, erst wenn er ums Haus herum heult, können wir ihn hören und wenn er die Bäume bewegt und die Blätter rascheln, können wir ihn sehen. So ähnlich ist es auch mit dem Heiligen Geist. Er hat keine äußerliche Gestalt, die sich festmachen ließe, und er ist auch kein Gespenst, das nur schattenhaft in der Nacht zuhause ist, viel mehr als das ist er wie ein verbindendes und einendes Moment, das Menschen zusammenführt und bewegt, anregt etwas zu beginnen und zu neuen Dingen ermutigt. Er hilft dabei Mut zu schöpfen und Ängste zu überwinden, aufzuatmen und Räume zu öffnen. Insofern ist die Geisteskraft auch so etwas wie eine Türöffnerin, die Licht und Luft ins Haus lässt und den Weg nach draußen frei gibt.

Aufatmen – leicht gesagt

Ich weiß, im Moment ist das mit dem Aufatmen leicht gesagt, und deshalb möchte ich auch nicht das Brausen und Sausen des Heiligen Geistes über die Gebühr beschwören, wo uns doch das Atmen, mit den Schutzmasken vielleicht schwer fällt oder mindestens unangenehm ist. Doch frischer Wind, wie er an Pfingsten einst verhießen wurde, würde auch uns heute guttun. Luft zum Atmen, die uns gesund macht und erquickt, ist daher gewiss zu Pfingsten eine Bitte, die naheliegt und unsere Sorgen und Wünsche einschließt. Auch der Wunsch sich nicht mehr mit Masken schützen zu müssen und wieder unbefangen nach draußen gehen zu können, knüpft an den Erfahrungen von einst an, an das Brausen das, das ganze Hause erfüllte und die Menschen wieder hervor lockte, wo sie sich vorher ängstlich verbargen.

Verstehen und Verstanden werden

Und das Gefühl sich mitteilen zu können und auch verstanden zu werden, sich einfühlen zu können und zu verstehen, sind Erfahrungen, die uns dabei helfen können, Krisen zu überwinden und gemeinsam zu bewältigen. So wie ja auch unsere Regierungen zumindest die längste Zeit über einmütig in der Bekämpfung der gegenwärtigen Corona-Pandemie gewesen sind. Wo aber diese Einmütigkeit verloren geht, wo einer sich auf Kosten von anderen profilieren will, da nimmt dann schließlich auch die Unsicherheit wieder zu und Misstrauen greift um sich. Eine Gemeinschaft, die doch solidarisch handeln und leben könnte, zerfasert und spaltet sich auf. Das Pfingstfest hingegen erinnert uns daran, wie wichtig es ist, einander zu verstehen und in einem Geist zu leben und zu handeln. Natürlich schließt das nicht aus, dass wir verschieden sind und eben jeder seine eigene Meinung hat, aber es baut darauf, dass wir uns in den wesentlichen Dingen einig sind und dass wir einander auch vertrauen können.

Der Heilige Geist weht, wo er will

Den Heiligen Geist können wir nicht greifen, und schon Johannes formulierte in seinem Evangelium: Der Geist weht, wo er will. Er ist also kein Gegenstand unseres Betrachtens, den man messen oder wiegen könnte, sondern eher etwas das man erfahren und spüren kann. Etwas, das Herzklopfen verursacht, wie die Liebe vielleicht, oder die Zufriedenheit, nach getaner Arbeit, die Erfüllung durch Sport und Tanz. Der Heilige Geist macht etwas mit uns, und erst durch diese Spuren, die er an uns hinterlässt, wird er wenn überhaupt fassbar. Wir spüren ihn aber an den Stimmungen, die uns erfassen, an den Launen und Gefühlen, die uns überkommen und antreiben, an den Dingen, die uns bewegen und anrühren.

Früchte des Geistes

Es sind die Früchte des Geistes, die sich aufzählen lassen, während doch das Geistige selbst als Geheimnis unfassbar bleibt. Paulus hat die Früchte des Geistes für sich einmal näher benannt. Er schreibt: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit. (Galater 5,22). Es sind schöne Anzeichen eines gemeinschaftlichen Miteinanders, die sich vielleicht noch erweitern lassen würden. Vielleicht fallen Ihnen noch mehr Früchte des Geistes ein. Mir ist z. B. noch Solidarität eingefallen, Leidensfähigkeit, aber auch Humor und Zuversicht. Das alles können Auswirkungen des Geistes sein, die uns auf die Gegenwart Gottes hinweisen und zugleich dabei helfen, unser Leben förderlich zu gestalten, im friedlichen Austausch mit Mensch und Natur.

Präsenz Gottes in dieser Welt

Auf eine wichtige Frage, auf die das Pfingstfest eine Antwort anbietet, möchte ich bei dieser Gelegenheit noch einmal näher eingehen. Für uns ist es heute selbstverständlich, was die Menschen damals für sich erst noch herausfinden und lernen mussten, dass Gott für uns auf geistige Weise präsent ist, in seinen Werken und in seiner Schöpfung. Doch die Menschen der Bibel erzählten auch von leibhaftigen und später von visionären Begegnungen mit Jesus bzw. Gott selbst. Sie wollten Gott spüren und erfahren. Das konnten sie z. B. durch sein Gesetz und indem sie dieses Gesetz hielten, wollten sie Gott nahe sein. Doch nach Ostern, als die Präsenz Jesu auf Erden schwand, entstand eine schmerzliche Lücke, wie nach jedem Todesfall und guter Rat war teuer. Viele sahen in Jesus den Messias einen Gott. Doch nach seiner Auferstehung, war er nicht mehr fassbar und unter den Menschen präsent. Er war jetzt im Himmel, fern von der Erde. Viele fühlten sich in dieser Situation im Stich gelassen und allein, und deshalb bedurfte es sozusagen einer Erneuerung des Versprechens, dass Gott die Menschen begleitet.

Ihr seid nicht allein

Im Johannesevangelium bereitete Jesus die Jünger auf seinen Abschied vor und verhieß ihnen zugleich einen Beistand, der über seinen Tod hinaus mit ihnen gehen sollte. „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen, ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ (Joh. 14,16) Die Antwort auf die Frage, wie Gott in dieser Welt präsent ist, heißt also: in seiner Geisteskraft. In der Geisteskraft, die die Welt bewahrt und erhält, in den Stimmungen, die uns Menschen berühren und bewegen. Ihr seid nicht allein! Vielleicht ist es gerade dieses Versprechen, das Jesus seinen Jüngerinnen mitgab, dass uns heute wie damals ermutigen soll, das Leben miteinander verträglich zu gestalten und einander beizustehen, in guten wie in schweren Tagen. Gott ist präsent in dieser Welt, seine Geisteskraft mag uns trösten und helfen, beschwingen und ermutigen, herausfordern und inspirieren zu allen guten Dingen und zu einem friedlichen Miteinander.