Alle guten Dinge sind drei

Was heißt Trinitatis?

Der Sonntag nach Pfingsten heißt Trinitatis. Ich nehme an, dass Sie dieses Wort schon einmal gehört haben. Es begegnet uns im Kirchenjahr ziemlich oft. Den ganzen Sommer über und bis in den Spätherbst hinein, zählen wir die Sonntage nach Trinitatis. Vom ersten Sonntag nach Trinitatis bis zum letzten Sonntag nach Trinitatis, Es sind über 20 Sonntage, die mit dem lateinischen Namen Trinitatis bezeichnet werden. Das ist doch paradox, obwohl so viele Sonntage diesen Namen tragen, wissen doch viele jedenfalls mit dem Namen gar nichts anzufangen. Wenn man sich umhört, antworten manche, dass es irgendetwas mit der zahl drei zu tun haben müsse, andere erinnern sich an den englischen Frauenname Trinity. Es gibt auch katholische Kirchengemeinden, die sich z. B. Propsteigemeinde St. Trinitatis nennen. Das Wort kommt also häufig vor, auch wenn die wenigsten wissen, was es bedeutet. Die Bedeutung des Wortes Trinitatis lässt sich leicht erklären. Es bedeutet so viel wie Dreieinigkeit oder auch Dreifaltigkeit und weist in unserer Kirche auf die Gemeinschaft von Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist hin. Offensichtlich hatten die Menschen vergangener Jahrhunderte das Gefühl man müsse diese Gemeinschaft stärker herausstellen und deshalb auch mit einem eigenen Festtag begehen, so wie die Geburt Jesu an Weihnachten oder die Auferstehung Jesu an Ostern.

Trinitatis lässt sich nicht auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen

Und doch ist es gerade das, was Trinitatis von diesen anderen großen christlichen Festen unterscheidet. Es gibt eigentlich kein Ereignis, das sich auf einfache Weise mit dem Trinitatisfest verknüpfen ließe. Und auch in der Bibel sucht man da vergebens. An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, an Ostern seine Auferstehung und an Pfingsten, die Ausgießung des Heiligen Geistes. Und an Trinitatis? Was ist da geschehen? Kann man das irgendwo nachlesen? Leider nicht. Denn das Trinitatisfest, wenn man das überhaupt so nennen kann, wurzelt nicht in einer biblischen Geschichte, oder einem Ereignis der Vergangenheit, sondern es ist der Lehre von der Dreieinigkeit Gottes gewidmet, wie sie uns in Vater, Sohn und Heiliger Geist begegnet.

Biblische Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes

Immerhin gibt es dafür doch schon in der Bibel einige Anhaltspunkte. Jesus befiehlt z. B. seinen Jüngern die Menschen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (Mt. 28,19) und Paulus begrüßt seine Gemeinden mit herzlichen Segenswünschen wie z. B. : Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13). Anspielungen auf die Dreieinigkeit Gottes gibt es also in der Bibel schon, aber noch keine ausgefeilte Lehre. Die kam erst später hinzu und hat im Laufe der Zeit für so manche Verwicklung gesorgt und nicht zuletzt für Streit und Ausgrenzung geführt.

Es ging dabei immer auch um die Frage, inwieweit Jesus Gott gewesen sei und ob er völlig Gott gleichzustellen sei oder ihm untergeordnet wäre. So war z. B. Arius (gest. 336 n. Chr.) im 4. Jahrhundert der Meinung: nur Gott, der Vater, dürfe Gott genannt werden. Sonst niemand. Auch Jesus Christus nicht. Dafür gab es sicher einige Argumente auch aus der Bibel, etwa dass Christus ja als Mensch geboren wurde, und von einer Frau zur Welt gebracht wurde, und erst bei der Taufe, den göttlichen Geist bekommen habe, während andererseits bei Johannes zu lesen stand, dass Christus schon von Anfang an bei Gott gewesen sei und nicht geboren oder geschaffen worden ist. War dieses Verhältnis von Vater und Sohn schon kompliziert, so wurde es dann noch einmal mit dem Heiligen Geist, der ja hinzukam, noch schwieriger. Letztlich musste man die Verhältnisbestimmung von und zwischen Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist aufgeben, und sich demütig auf das beschränken, was Menschen glauben und erfahren können. Ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung ist unser Glaubensbekenntnis, das die Dreieinigkeit Gottes für die ganze Christenheit verbindlich beschreibt und bis heute als Grundlage unseres Glaubens festhält. Längst beanspruchen wir nicht mehr zu wissen, wer oder was Gott ist, als ob wir das könnten, in unserem Glaubensbekenntnis beschreiben wir aber auf welche Weise uns Gott begegnet und was diese Begegnung bewirkt.

Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist

Wir begegnen Gott Vater als dem Schöpfer des Lebens und der Welt, in seinem Sohn suchen wir die Erlösung von allen unheilvollen Kräften, und im Heiligen Geist suchen wir Trost, Lebendigkeit und Inspiration. In alledem bekennen wir in unserem Glauben, dass Gott so reich und unausdenkbar ist, dass er weit über unsere Vorstellungskraft hinausreicht und wir ihn nicht mit einer einzigen Aussage beschreiben können. In unseren Gebeten deuten wir das an, wenn wir sagen: „Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.“

Alle guten Dinge sind drei

Alle guten Dinge sind also drei. Dieses Sprichwort, was Sie sicher kennen unterstreicht, glaube ich, die Bedeutung der Trinität für unseren Glauben. Oft bedürfen wir mehrerer Versuche bis etwas gelingt. Manchmal braucht etwas Zeit und was beim ersten Mal noch nicht gelingen will, schaffen wir nach erneuten Anläufen beim dritten Mal. Das Sprichwort: „Alle guten Dinge sind drei,“ erinnert an das germanische Rechtswesen. Dreimal im Jahr wurde Gericht gehalten, das sogenannte Thing. Und ein Angeklagter musste dreimal geladen werden, ehe man ihn dann in Abwesenheit verurteilen konnte. Wenn man so will könnte man sagen, dass einmal nicht genug ist. Auch wenn wir das oft meinen, wenn wir sagen ein für alle Mal, oder eine Sache schnell beenden wollen und jetzt ist Schluss rufen.

Einmal reicht eben doch nicht. Das Schlimme ist doch, wenn eine einzige Situation oder auch nur eine einzige Tat über unser ganzes weiteres Leben entscheiden sollte. Wenn man eine Sekunde lang nicht aufgepasst hätte, und dann darunter sein ganzes Leben lang zu leiden hätte. Es gibt solche Situationen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Leider. Doch der christliche Glaube, lebt von der Fehlerfreundlichkeit Gottes. Wir müssen alle mit unseren eigenen Fehlern wie denen der anderen leben. Doch um das tun zu können, räumt Gott uns, Jesus zufolge, neue Möglichkeiten ein, und schlägt die Tür nicht schon beim ersten Mal zu. Einmal ist keinmal, sagt man. Und auch darin liegt die Erfahrung, dass wir in unserem Leben meistens mehrere Anläufe brauchen, um etwas zu erreichen, vielleicht sogar, um uns selbst zu finden und unser Leben, so zu gestalten, dass wir damit zufrieden sein können. Das Bild von der Trinität Gottes nimmt, glaube ich, diese Erfahrungen mit auf, weil es uns eben auch mit verschiedenen Aspekten Gottes konfrontiert, mit dem Vertrauen und Staunen über den Vater und Schöpfer, oder mit dem Sohn, der mit uns leidet und uns hilft, aber auch dem Geist, der uns mit Gott und den Menschen verbindet in Vielfalt und Freiheit.

Der goldene Sonntag

In manchen Gegenden wurde der Trinitatissonntag auch der güldene Sonntag genannt. Einer Legende zufolge solle in dieser Nacht eine goldene Wunderblume blühen. Mit deren Hilfe man z. B. verschlossene Türen öffnen könne oder auch verborgene Schätze entdecken würde. Besonders würde dies für die Christinnen und Christen gelten, die an Trinitatis dreimal in die Kirche gehen würden. Nun abgesehen, dass dies heute schwierig geworden ist, an Trinitatis dreimal in die Kirche zu kommen, so erinnert doch diese kleine Legende an das Wunder von Trinitatis, dass Gott uns in verschiedener Gestalt erscheinen und begegnen kann und unseren Lebensweg kreuzt. Und wo immer dies geschieht, ist es wie ein Wunder, dass sich nur mit dem Herzen fassen lässt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.