Wir haben die ganze Nacht gearbeitet

„Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“

Lukas 5,4

Lohnt sich die Arbeit

Der Evangelist Lukas kommt auf eine Erfahrung zu sprechen, die wir glaube ich alle schon einmal gemacht haben. Es ist der Zweifel, der sich im Laufe des Lebens immer wieder einstellt, ob das, was wir tun sich lohnt. Lohnt sich das Lernen in der Schule, zahlt sich meine Arbeit aus, führen die Wege, auf denen ich jeden Tag unterwegs bin zu einem verheißungsvollen Ziel, oder ist vieles umsonst, vergebene Liebesmüh?

Etwas vorweisen können

Ich weiß nicht, wie es ihnen damit geht. Ich denke nicht jeden Tag darüber nach, ob die Arbeit, die ich tue, sich am Ende auszahlt und ob es ein Ergebnis gibt, das sich vorweisen lässt und uns alle zufriedenstellt. Oft beneide ich, Menschen, die etwas mit ihren Händen erarbeiten und zum Beispiel Häuser bauen oder Gärten gestalten, da sieht man dann wirklich etwas nach getaner Arbeit, da stehen dann vielleicht Häuserwände, und man sieht wie ein Stein auf einen anderen gebaut ist, und in meinem Garten sehe ich, wie hoch der Apfelbaum in diesem Jahr gewachsen ist. Es sind Zeichen dafür, dass die Arbeit also nicht umsonst war. Ich habe dann vor Augen, was ich geleistet habe, vielleicht auch mit anderen zusammen, und kann wohl auch ein wenig stolz auf mich sein. Ich glaube, wir brauchen dieses Gefühl. Nicht um sich selbst zu beweihräuchern, wie toll und unvergleichlich das ist, was wir da getan haben, sondern weil wir etwas gegeben haben, in der Hoffnung dafür auch etwas zurückzubekommen, nach all der körperlichen und geistigen Anstrengung. Es ist die Befriedigung darüber etwas geschafft zu haben, die uns über den Augenblick hinaus mit uns und der Welt versöhnt.

Wir brauchen Geduld

Schwerer für uns ist es indessen, wenn man kein vorzeigbares Ergebnis hat oder wenn man am Ende des Tages zwar wunde Hände hat, aber alles andere noch chaotisch und leer erscheint, so wie eine Baustelle. Und auch gerade als Lehrer und Erzieher, Eltern fragen wir uns doch auch immer wieder ob das, was wir unseren Kindern mitgegeben haben, ihnen wirklich weiterhilft. Vieles geht eben nicht so schnell und deshalb sind wir auch immer wieder unsicher, ob sich das, was wir tun und wollen, wofür wir uns einsetzen, was wir anpacken und umsetzen, sich lohnen wird. Und je länger wir darauf warten müssen, die Früchte unserer Arbeit zu genießen, um so unsicherer werden wir. Und mit der Zeit mögen dann die Zweifel zunehmen, und die Aussicht auf Erfolg wird geringer.

Petrus hat nichts gefangen

Lukas erzählt von Petrus, und wie es kam, dass er ein besonders profilierter Nachfolger Jesu wurde und im gleichen Atemzug, beschreibt er aber auch die Zweifel und Sorgen eines ganz normalen Menschen, der mit seiner Arbeit kleine und große Erfolge zeitigt, und manchmal leerausgeht. Als Jesus ihn bittet noch einmal hinaus zu fahren, um Fische zu fangen, winkt Petrus ab und beklagt sich halb ärgerlich halb traurig: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“

Vielen spricht Petrus mit diesem Satz aus dem Herzen. Denen, die sich in der Schule und auf der Arbeit bemüht haben, und dann ist doch nicht das dabei herausgekommen, was man sich gewünscht hat. Die Hoffnung, die man in seine Kinder gesetzt hat, hat sich vielleicht als trügerisch erwiesen, genauso wie das Versprechen, das man sich einst bei der Eheschließung gegeben hat, nur um dann festzustellen, wie leicht wir scheitern können. Allem Engagement auf der Arbeit zum Trotz, müssen wir erleben, wie Arbeitsplätze verlagert werden und Firmen wegziehen. Oft läuft es auf die Erkenntnis hinaus, wie gewonnen, so zerronnen.

Phasen der Stagnation

In solchen Momenten geht es uns so ähnlich wie Petrus: „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Alles war irgendwie umsonst. Wenn sich solche Erlebnisse häufen, fragt man sich ob es im Leben noch mit rechten Dingen zugeht und worauf noch Verlass ist. Ob Gott noch im Regimente sitzt und dafür sorgt, dass alles seine Ordnung hat? Solche Zweifel gibt es immer wieder, und wahrscheinlich gehören sie auch zu unserem Leben dazu, denn nicht ein Tag ist wie der andere, und es gibt Phasen in unserem Leben, in denen uns scheinbar alles zufällt, und dann wieder Zeiten der Stagnation, wo nichts schnell vorangeht. So ist es auch mit unserer Arbeit und mit unserem Tagewerk. Es gibt Tage, da kommt man kaum voran. Man sitzt stundenlang vor einem leeren Blatt und kriegt nichts hin, und auch wenn man sich noch so anstrengt, über ein zwei Sätze kommt man nicht hinaus. Und dann wieder fließen die Gedanken und Sätze nur so dahin und füllen Seite um Seite.

Mit Mut durch die Krise

Krisenzeiten lassen sich nicht alleine durch zusätzliche Anstrengungen bewältigen, natürlich kann man wie gerade jetzt intensiver forschen, und mehr Ressourcen einsetzen und mehr Personal, und doch, das erleben wir ja auch gerade, muss man viel Zeit mitbringen und vor allem Geduld, damit am Ende auch ein Ergebnis steht, das uns wirklich weiterhilft. In Krisenzeiten, glaube ich, brauchen wir neben Geduld und Gelassenheit, vor allem Zuspruch und Vertrauen. Vielleicht kann man sich auch gegenseitig anfeuern und Mut machen, aber am wichtigsten ist es, Vertrauen aufzubauen und wiederherzustellen. Das gelingt, in dem ich einem anderen Mut mache, es noch einmal zu probieren, vielleicht nach einer misslungenen Prüfung, oder indem ich zu einem Menschen halte, allen Widerständen zum Trotz. Wir alle kennen wahrscheinlich Situationen, in denen andere an uns geglaubt haben, in denen andere uns vertraut haben und wie wir selber dadurch Mut gefasst haben und neues Selbstvertrauen entwickelt haben. „Du schaffst das!“ war auf vielen Plakaten und Betttüchern zu lesen, die die Eltern vor der Abiturprüfung auf dem Schulgelände aufgehängt hatten. Es macht Mut, wenn andere Vertrauen in uns setzen und an uns glauben. Es stärkt uns und verhilft uns zu einem neuen Anlauf.

Vertrauen und Selbstvertrauen

Auch wenn Petrus noch die lange Nacht in den Gliedern steckt, in der er nichts gefangen hatte, und er ziemlich niedergeschlagen, nicht viel davon hält noch einmal hinaus auf den See zu fahren, so lässt er sich doch motivieren, es noch einmal zu versuchen. „Auf dein Wort hin, will ich die Netze auswerfen.“ Er ist nicht unbedingt überzeugt von dem, was er tun soll, aber er tut es trotzdem. Deinetwillen, weil du es bist, dir zuliebe, weil du mir wichtig bist. Viele Dinge in unserem Leben lassen sich nicht erzwingen, Gesundheit z. B. aber auch Erfolge.

Wir versuchen sie vielleicht auf eigensinnigen Wegen zu erreichen oder durch harte Arbeit, aber vieles liegt eben doch nicht in unserer Hand. Segen und Erfolg wird uns zuteil, nicht weil wir das so wollen, sondern weil Gott es gut mit uns meint. Darauf zu vertrauen hilft uns weiter und lässt uns hoffen, so dass wir auch immer wieder einen großen Fang machen können, wie Petrus an jenem Tag am See Genezareth, als alle Netze zu reißen begannen. Und so will auch ich auf dein Wort hin meine Netze auswerfen und darauf hoffen, dass es sich lohnt. Werft euer Vertrauen nicht weg, denn es wird sich lohnen.