Weihnachtsgottesdienste absagen ? !

An Weihnachten gehen viele Menschen gerne in die Kirche. Besonders die Krippenspiele der Kinder sind sehr beliebt, am späten Abend besuchen auch viele die Christmette mit ihrer stimmungsvollen Atmosphäre.

Leider sind inzwischen viele dieser Gottesdienste von unseren Kirchen abgesagt worden. Sie drohten die Infektionszahlen weiter zu erhöhen. Deswegen haben sich viele Kirchengemeinden entschieden ihre Gottesdienste nicht zu veranstalten.

Auch wir haben uns in diesem Jahr dazu entschieden. Ursprünglich hatten wir Krippenspiele vorgesehen, die im Pfarrhof bzw. in einer Hofreite in Gemünden veranstaltet werden sollten. Doch das Gesundheitsamt des Kreises hat die szenische Interaktion eines Krippenspiels verboten. Gleichzeitig erhöhten sich die Infektionszahlen immer mehr, so dass wir uns entschlossen haben, die Gottesdienste über die Weihnachtszeit hinaus bis in den Januar hinein, auszusetzen.

Unsere Regierungen haben sich trotz des harten Lockdowns dazu entschieden, die Kirchen nicht zu schließen. Auch unsere Kirchen haben kein generelles Verbot ausgesprochen und es den Kirchenvorständen überlassen vor Ort zu entscheiden.

Mit Abstandsregeln und Hygienekonzepten soll zumindest einigen wenigen Menschen an Weihnachten der Kirchenbesuch ermöglicht werden. Doch darüber wurde in und auch außerhalb der Kirchen eifrig diskutiert.

Der Druck auf die Kirchen, auf Weihnachtsgottesdienste zu verzichten, nahm immer mehr zu. Amtsärzte etwa forderten ein Verbot der Weihnachtsgottesdienste. Präsenzgottesdienste sollten bundesweit untersagt werden. Sie seien für ihr hohes Übertragungsrisiko bekannt.

Auch manche Politikerinnen unterstützten diesen Vorschlag, weil wir uns derzeit in einer sehr schwierigen Lage befänden. Am besten sei allerdings ein freiwilliger Verzicht. So müsse sich jeder selbst fragen, ob es in diesem Jahr angebracht sei in einen Gottesdienst zu gehen oder nicht.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm dagegen, sprach sich gegen eine generelle Absage aus, warb aber zugleich für digitale Gottesdienstformate und empfahl Hausandachten. Gerade die Menschen, die alleine lebten, bedürften des Trostes und der Menschen um sich her.

Es stimmt: vor allem Alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen haben in der Pandemie gelitten. Im Gottesdienst finden die Gläubigen Halt, Hoffnung und Trost in dieser schwierigen Zeit. Und der Live-Gottesdienst lässt sich auch nicht durch einen Livestream-Gottesdienst ersetzen, weil kein Kontakt und keine wärmende Gemeinschaft entsteht. Dennoch Gemeinschaft und Nähe können auch über eine räumliche Distanz hinaus entstehen z. B. über intensive Telefongespräche. Wenn wir Gottesdienste absagen müssen, dann tun wir das sicher schweren Herzens, aber eben auch in der Hoffnung sie sobald wie möglich wieder aufnehmen zu können.

Wenn man einigen Umfragen Glauben schenken darf, plädieren etwa 50 Prozent der Menschen in Deutschland für ein Verbot der Weihnachtsgottesdienste, während gerade einmal 6 Prozent eine Messe besuchen wollen.

Diese Überlegungen und Erkenntnisse waren auch für uns in Rod an der Weil, Emmershausen und Gemünden der Grund, über die Weihnachtszeit die Gottesdienste auszusetzen. Wir wollten kein unnötiges Risiko eingehen. Der traditionelle Gottesdienst an Heiligabend ist etwas ganz Besonderes, doch angesichts der vielen Toten, die die Corona-Pandemie immer noch fordert, ist er auch ein Risiko, das trotz Abstandhalten und Maske tragen, bestehen bleibt.

Selbst wenn in den meisten Kirchen die Abstände gewahrt werden können, lässt sich kaum verhindern, dass sich auf dem Weg zur Kirche oder von der Kirche, Menschentrauben bilden und Kontakte stattfinden. Wir halten es deshalb für sinnvoll und nötig sämtliche Präsenzveranstaltungen in unseren Kirchen abzusagen und setzen stattdessen auf Fernseh-, Radio- oder Online-Gottesdienste.

Es ist zwar nicht dasselbe wie in einer Kirche, aber auch zu Hause im Wohnzimmer kann man die Weihnachtsgeschichte hören, beten und vielleicht sogar miteinander Singen und Musikhören. Und das alles ohne unnötiges Risiko. Das ist es uns diesmal wert und Weihnachten fällt dadurch nicht wirklich aus.

Wir wünschen Ihnen frohe und gesunde Weihnachten und hoffen auf ein neues gesegnetes Jahr 2021