Barmherzigkeit mit 5 Buchstaben

Jahreslosung 2021 – Lukas 6,36

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Das Wort Barmherzigkeit benutzen wir in unseren Kirchen ziemlich oft. Es kommt in vielen biblischen Geschichten vor und nicht weniger in christlichen Chorälen und Gesängen. Doch wie steht es mit dem, was das Wort bedeutet?

Barmherzigkeit mit 5 Buchstaben – habe ich in einem Kreuzworträtsel gelesen. Was könnte damit gemeint sein? Ich muss nachdenken. Es fängt mit „G“ an, so viel kann ich mit Sicherheit sagen, denn das Tier, das auf dem Bauernhof lebt, ist eine Gans. Also Barmherzigkeit mit 5 Buchstaben und der erste Buchstabe ist ein „G“. Eigentlich hätte ich gedacht, Mitleid passt besser, aber das fängt ja nicht mit „G“ an und ist außerdem zu lang. Mir fällt auch Nächstenliebe ein und Selbstlosigkeit könnte auch für Barmherzigkeit stehen, aber diese Wörter sind viel zu lang.

Seit meiner Kindheit ist mir die Geschichte vom barmherzigen Samariter vertraut, wie der sich nicht lumpen lässt und den Verletzten, unter die Räuber gefallenen, verarztet und versorgt. Das fand ich gut, das hat mich schon immer beeindruckt, dass der so spontan hilft, und alles stehen und liegen lässt, um einen Fremden zu helfen. Dabei hätte er das doch gar nicht tun müssen. Die anderen sind ja auch einfach vorbeigegangen, der Priester und der Levit, alles Leute, die doch von Berufswegen hätten helfen können und sollen. Doch die haben das Weite gesucht, und sind auf und davon, so als hätten sie noch nie etwas von Nächstenliebe gehört.

Ich glaube, der Samariter hat Mitleid gehabt, und dann hat er sein Herz sprechen lassen und entsprechend gehandelt. Auch auf die Gefahr hin etwas falsch zu machen, aber immer noch besser als nichts tun.

Barmherzigkeit ist eine Eigenschaft des Charakters, habe ich gelesen. Sie bedeute, „sein Herz zu öffnen und die Not anderer Menschen wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.“ Genauso sehe ich den barmherzigen Samariter. Er lässt sich anrühren von dem, was ihm begegnet und überlegt dann, wie er darauf reagieren soll: nämlich menschlich und barmherzig.

Das ist doch auch ein guter Vorsatz für dieses Jahr: menschlich und barmherzig zu sein und zu handeln. Aber ich glaube, es ist eher eine Lebensaufgabe als ein Vorsatz, unter anderen, mehr eine Haltung als ein Vorhaben.

„Seid barmherzig,“ fordert die Jahreslosung, doch also Anweisung, greift sie zu kurz. Denn wir wissen alle, wie schwer es ist, das Gute, das wir wollen, auch zu tun. Und sich zu zwingen barmherzig zu sein, kann man auch nicht. Barmherzigkeit kommt von innen heraus. Das Wort umschreibt, was unser Herz bewegt, bei wem wir mit unserem Herzen sind, wie wir Anteil nehmen, wo wir emotional dabei sind.

Barmherzigkeit mit 5 Buchstaben? Wenn es mit „G“ anfängt, könnte Gnade gemeint sein? Was meinen Sie? Oder vielleicht Guete? Beides trifft die Sache und passt gut zu Barmherzigkeit. Denn in Barmherzigkeit schwingt nicht nur Milde und Mitleid mit, sondern auch das Moment der Gnade, das Verzeihen, das über Fehler hinwegsehen. In dieser Weise erzählt Jesus von einem Gott, der die Menschen bedingungslos liebt und über ihre Fehler hinweg sieht und sie verzeiht.

Wenn es also heißt barmherzig zu sein, dann heißt das gemäß der Jahreslosung in diesem Jahr: zu lieben, großzügig zu sein, sich anrühren zu lassen von der Not anderer, beherzt zu helfen, und über Schwächen hinwegzusehen und Fehler zu verzeihen.

Was für uns zur Maxime unseres Handelns werden könnte, gilt übrigens auch für uns und uns gegenüber, dass wir geliebt werden, dass wir Hilfe finden, dass uns die Menschen so nehmen wie wir sind, und Gott uns unsere Unzulänglichkeiten verzeiht und den Weg frei macht, für ein ungezwungenes Miteinander.

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen (Matth. 5,7).