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Es spitzt sich zu

Palmsonntag – Die Krise spitzt sich zu

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Ich bin elend und voller Schmerzen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!
Gott, nach deiner großen Güte
erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Psalm 69

Eröffnet wird die Karwoche mit dem Palmsonntag. Der Palmsonntag schildert den Einzug Jesu nach Jerusalem. Die Menschen jubelten Jesus zu und streuten ihm grüne Zweige auf den Weg in die Stadt. Wenige Tage später wurde er gekreuzigt.

Mit dem Einzug Jesu nach Jerusalem spitzt sich die Situation zu. Viele Erwartungen ruhten auf ihm, die Hoffnung auf Befreiung lebte auf, der Glaube, dass jetzt alles besser werden würde. Andere hegten Befürchtungen: Was wenn es zu einem Aufstand kommt? Was wenn die Situation unkontrollierbar wird. Wenn Ordnung nur noch mit Gewalt hergestellt werden kann? Was ist, wenn der Handel zum Erliegen kommt und keine Geschäfte mehr gemacht werden können? Wenn die Preise steigen und die Nahrungsmittel knapp werden? Wenn die öffentliche Ordnung und die religiösen Gepflogenheiten nichts mehr gelten?

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In der Karwoche April 2020

Es ist Krisenzeit – es ist Karwoche

In dieser Woche beginnt die Karwoche. Sie beginnt am Palmsonntag und reicht über Gründonnerstag und Karfreitag hinaus bis zum Osterfest. Wir erinnern uns in dieser Zeit an das Leiden und Sterben Jesu Christi und gehen in Gedanken diesen Weg mit. Es ist eine Zeit der Trauer und der Besinnung. Das althochdeutsche Wort „kara“ weist darauf hin, es bedeutet soviel wie Klage und Trauer.

Wahrscheinlich legen sich auch uns in dieser Zeit, die von Corono-Virus, Ansteckungsängsten und Existenzängsten geprägt ist, Trauer und Unsicherheit, Zorn und Resignation nahe und es gibt viel zu klagen. Statt zur Arbeit zu gehen, müssen wir jetzt im Homeoffice am Computer sitzen, statt zur Schule zu gehen oder die Ferien zu genießen, bekommen wir jetzt digitale Hausaufgaben ohne Ende. Eltern müssen jetzt verstärkt Job und Kinder unter einen Hut bringen. Das ist für uns alle nicht leicht. Viele Läden haben geschlossen und beim Einkaufen gehen stehen wir in gebührendem Abstand in der Warteschlange. Telefonhotlines sind überbelegt. Schnelle Hilfe ist nicht zu erwarten. Man muss sich selbst helfen.

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Darf man vor dem Sterben fliehen?

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen.
Wer ist, der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen?
Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missetat,
die dich, Herr, erzürnet hat.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger barmherziger Heiland,
du ewiger Gott: Lass uns nicht versinken in des bittern Todes Not. Kyrieleison.

Mitten in dem Tod anficht uns der Hölle Rachen.
Wer will uns aus solcher Not frei und ledig machen?
Das tust du, Herr, alleine.
Es jammert dein Barmherzigkeit unsre Klag und großes Leid.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott,
heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott:
Lass uns nicht verzagen vor der tiefen Hölle Glut. Kyrieleison.

Mitten in der Hölle Angst unsre Sünd’ uns treiben.
Wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben?
Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut,
das g’nug für die Sünde tut. Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott:
Lass uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Kyrieleison.

Martin Luther 1524

Leben in Zeiten der Pest

In Krisenzeiten versuchen wir uns zu orientieren und fragen uns, wie es weitergehen wird. Solche Zeiten gab es schon immer im Laufe der Menschheitsgeschichte. Zu Beginn der Neuzeit wütete in Deutschland die Pest. Wo sie auftrat, tötete sie unzählige Menschen. Man begegnete dem Tod auf Schritt und Tritt. Die Angst vor dem jähen Tod, der nicht einmal erlaubte, seine Sünden zu bereuen, machte den Menschen zu schaffen. Die Angst vor dem Tod „mors subita“ ergriff alle Gesellschaftsschichten, so heißt es von Kaiser Maximilian I., er habe in den letzten sieben Jahren seines Lebens auf seinen Reisen stets einen Sarg mitführen lassen. Wer auf Reisen ging, der fragte in seinen Briefen an die Daheimgebliebenen, wer seit seiner Abreise verstorben sei. Es ist solch ein Lebensgefühl das Martin Luther in seinem Lied: „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen,“ eindringlich und glaubhaft beschrieben hat. Gevatter Tod war allgegenwärtig und keiner schien ihm Einhalt gebieten zu können.

Im Laufe seines Lebens begegnete Martin Luther immer wieder der Pest. Als sie im Jahre 1527 in Wittenberg wütete, wurde die dortige Universität, an der Luther lehrte, nach Jena evakuiert. Doch Luther blieb als einziges Mitglied des Lehrkörpers, zusammen mit Bugenhagen, dem Stadtpfarrer in Wittenberg. Er blieb auch, nachdem der Kurfürst ihn ausdrücklich aufgefordert hatte, der Universität zu folgen, weil sie seinen Rat nicht entbehren könne. Luther ließ sich aber nicht abhalten und pflegte auch weiterhin den Umgang mit Kranken und Sterbenden. In einem Brief an seinen Freund Spalatin schrieb er über jene Zeit:

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Beten in schweren Zeiten

Psalm 91 (aus der Bibel)

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Psalm 91

Ein Handel mit Gott

Es ist ein uralter menschlicher Reflex. Wenn wir uns einer übermächtigen Gefahr oder einem übermächtigen Gegner gegenüber sehen, versuchen wir zu verhandeln. Oft wird mit Gott gehandelt und manchmal mit dem Tod. Im Alten Testament verhandelt Abraham mit Gott um den Untergang von Sodom und Gomorra zu verhindern. (1. Mose 18,16ff.) Doch welche Argumente hat Abraham? Die Verhandlungspartner einigen sich schließlich nach langen Verhandlungsrunden. Wenn sich zehn Gerechte in Sodom und Gomarra finden ließen, so würde Gott die Städte nicht untergehen lassen. Leider fanden sich keine zehn, und die Städte gingen wie wir alle wissen unter. Es ist schwierig mit Gott zu handeln, denn was können wir als Gegenleistung anbieten? Ist es nicht immer zu wenig, im Angesicht der Schuld und der Probleme, die wir täglich auf uns laden? Wer mit Gott rechten will, wie es die Bibel nennt, kann wenig in die Waagschale legen, gerade auch deshalb weil wir nicht das tun, was wir uns eigentlich vorgenommen haben und unsere Taten hinter unseren Absichten zurückbleiben. Welche Argumente könnten wir in so einer Verhandlung vorbringen, wie sie einst Abraham geführt hat und auf was könnten wir pochen. Was ist diese Welt wert und warum sollte sie nicht untergehen? In allen diesen Fragen geht es letztlich geht es darum, was unser Leben wert ist und warum es gut ist.

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Anfang eines Ausnahmezustandes

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

2. Tim. 1,7

Schwere Zeiten sind auf uns zugekommen

Liebe Gemeinde, es sind schwere Zeiten auf uns zu gekommen, die unseren Alltag komplett umkrempeln. Mit einem Male wird alles anders und es fühlt sich auch anders an.
Letzte Woche waren wir mit unseren Konfirmanden auf einer Freizeit im Odenwald. Wir haben die Vorstellung der Konfirmanden vorbereitet und waren guter Dinge, etwas Schönes zustande zu bringen. Die Stimmung war gut, und wir konnten uns intensiv mit dem Thema Rassismus beschäftigen. Unser Hauptproblem war das regnerische Wetter dieser Tage, und wir überlegten ob wir unseren Konfirmanden die geplante Stadtrallye zumuten sollten. Wir haben die Konfirmanden schließlich losgeschickt, und es ging auch irgendwie. Einen Tag später, es war mittlerweile Freitag, der 13. überschlugen sich die Nachrichten, die wir genauso wie unsere Konfirmanden meistens auf dem Smartphone verfolgten. Einige schauten sich am Abend vorher noch das Spiel der Eintracht via Internet an, das vor leeren Rängen stattfand und ein wenig gespenstig wirkte. Es war wie ein Auftakt für das, was noch kommen sollte, die Ausgangssperre, die Absage von Gottesdiensten, Restaurantbesuchen und jedwedem geselligen Beisammensein.

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