Schlagwort: Beharrlichkeit

Beten und Bitten

Fünfter Sonntag nach Ostern – Rogate

Spruch der Woche – Psalm 66,20

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

Kommt herzu, lass uns dem Herrn frohlocken
und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen
und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der Herr ist ein großer Gott
und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,
und seine Hände haben das Trockene bereitet.
Kommt, lasst uns anbeten und knien
und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.
Denn er ist unser Gott und wir sind das Volk
seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Psalm 95

Bitten und Beten

Am fünften Sonntag nach Ostern mit dem Namen „Rogate“ geht es ums Bitten und Beten. Der Sonntag lädt ein, sich singend und betend an Gott zu wenden in der Hoffnung, dass Gott auf uns sieht und uns hört. So heißt es in dem Spruch für diese Woche zuversichtlich: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66,20).

Eine Anweisung, wie wir beten sollen und dies mit dem abschließenden Amen bekräftigen können, stammt von Martin Luther. In seiner Schrift „Eine schlichte Weise zu beten, für einen guten Freund“ von 1535 schreibt er eindrücklich:

Eine schlichte Weise zu beten

Zuletzt bedenke, dass du das Amen jederzeit stark machen und nicht zweifeln sollst, dass Gott dir gewiss mit aller Gnade zuhört und Ja sagt zu deinem Gebet; und bedenke ja auch, dass du nicht alleine da kniest oder stehst, sondern die ganze Christenheit, alle frommen Christen bei dir und du unter ihnen in einmütigem, einträchtigen Gebet, welches Gott nicht verachten kann. Und lass nicht ab vom Gebet, bis du gesagt oder gedacht hast: Wohlan dies Gebet ist bei Gott erhört, das weiß ich gewiss und fürwahr. Das heißt: Amen.

Im Gebet bringen wir alles vor Gott

Im Gebet bringen wir all das vor Gott, was uns bewegt, was uns ängstigt, hoffen lässt oder froh macht. Wir bitten, klagen, loben und danken im Angesicht Gottes und erleben uns dabei als angewiesene und beschenkte Menschen. Unser Gebet lebt von der Hoffnung, dass es jemand hört, dass es im Raum steht und etwas bewegt. Im Beten verleihen wir unserer Hoffnung Sprache, und unsere Sprache macht uns Hoffnung. Vieles können wir nicht verändern, doch indem wir beten verändern wir uns selbst. Ein erhörtes Gebet ist wie eine Last, die von uns abfällt, wie die Ruhe nach einem Sturm innerer Unruhe, wie das Aufatmen, nach einer anstrengenden Wanderung. Oft sind unsere Gebete unadressiert und unbestimmt, unsere Herzensbitten und Stoßseufzer, ausgesprochen und manchmal auch stumm. Wir müssen leider auch erleben, dass unsere Gebete nicht so erhört werden, wie wir uns das vielleicht gewünscht hätten. Wenn sich Hoffnungen nicht erfüllen und die Wiederholung unserer Stoßseufzer nicht weiterführen. Doch auch da, wo augenscheinlich alles vergeblich erscheint, legt uns die Bibel den Glauben nahe, nicht aufzugeben und entschlossen zu bleiben: geduldig in Trübsal, fröhlich in Hoffnung und beharrlich im Gebet.

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