Schlagwort: Leben

Ehrfurcht vor dem Leben

Die Lage ist ernst. Statt wie erhofft, erleichtert nach einer einigermaßen überstandenen Corona-Krise in den Urlaub fahren und den Sommer genießen zu können, müssen wir uns einer neuen Herausforderung stellen.

Was für ein Sommer? Viele Orte in Deutschland und Westeuropa durchlebten in diesem Sommer eine Katastrophe wie nie zuvor. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Evakuierungen, starke Regenfälle und Überschwemmungen haben für Chaos gesorgt.

Angesichts der erschütternden Bilder müssen wir uns, glaube ich, schmerzlich eingestehen, welche dramatischen Folgen der Klimawandel hat. Wir erleben Unwetter aller Art, Hitzewellen und extreme Waldbrände.

Die Erkenntnis, dass der Klimawandel unser Leben immer stärker beeinflusst, ist nicht neu. Umstritten ist aber nach wie vor, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, und was das für jede und jeden von uns bedeutet. Es ist verständlich, dass keiner gerne höhere Benzinpreise bezahlen möchte. Wir möchten unseren Wohlstand nicht aufs Spiel setzen, uns ist aber auch bewusst, dass es so nicht weiter gehen kann.

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Moderator, hat in einer Fernsehsendung geraten, wer glaube, dass die Wirtschaft wichtiger sei als die Gesundheit, dem empfehle er, sein Geld zu zählen, während er dabei die Luft anhält. Mutter Erde sei krank und anstatt die Diagnose ernst zu nehmen, werde lediglich herumgedoktert. Vieles spricht dafür, dass von Hirschhausen recht hat. Möglicherweise werden uns unsere Enkelkinder in zwanzig Jahren fragen, warum uns der Wohlstand wichtiger war als die Rettung der Welt?

Ich weiß, Krisen und Katastrophen ängstigen und bisweilen lähmen sie uns, andererseits setzen sie auch Kräfte in uns frei, die bislang unentdeckt blieben. So wie z. B. jetzt gerade die Welle der Solidarität mit den Opfern der Unwetterkatastrophe. In der Krise gilt es sich zu bewähren und standzuhalten. Der Apostel Paulus glaubte, dass daraus eine Form von Hoffnung erwächst, die wir brauchen werden angesichts der Klimakrise.

Er schreibt: „Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben. Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren. Die Bewährung lehrt zu hoffen (Römerbrief 5,4).“ In diesem Sinne sind Krisen, Bewährungsproben für unser Handeln genauso wie für unseren Glauben. Nicht zuletzt sind sie auch eine Probe auf unsere Menschlichkeit, die Fähigkeit mitzufühlen und Freud und Leid miteinander zu teilen. Die Klimakrise stellt uns vor große Herausforderungen, die wir nur meistern werden, wenn wir uns von Ehrfurcht und Demut leiten lassen und in allen Dingen das Gute suchen. Dazu möge uns Gott helfen, Trost, Willen und Kraft schenken.

Herzliche Sommergrüße

Pfarrer Peter Lehwalder, Emmershausen, Gemünden und Rod an der Weil

Leben und leben lassen

Ein neues Jahr hat begonnen. Es fängt an wie das alte aufgehört hat, im Krisenmodus. Unsere Politikerinnen haben den Weihnachtslockdown noch einmal verschärft und sogar bis Ende Januar verlängert. Wir hätten es uns anders gewünscht und wären lieber optimistischer und freudiger ins neue Jahr gestartet. Aber wahrscheinlich geht es nicht anders und irgendwie war das auch vorauszusehen. Es gibt zwar Kritik an den verhängten Maßnahmen, da im Moment zu wenige Impfstoffe zur Verfügung stehen, aber es gibt kaum ernsthafte Alternativen. Immerhin wird inzwischen geimpft, sogar hier bei uns in Weilrod. Die Menschen im Seniorenheim Carpe diem in Hasselbach gehörten zu den Ersten und damit auch zu den Glücklichen, die in unserer Nähe geimpft werden konnten. Für alle weiteren über 80-jährigen, sollen die Impfungen Mitte Januar beginnen. Das lässt uns hoffen, dass wir die Pandemie in diesem Jahr wenigstens eindämmen können, wenn nicht sogar besiegen.

Die Lage ist ernst und stellt uns vor immer neue Herausforderungen. Jetzt müssen wir die zweite Infektionswelle bewältigen. Erneut sind Einschränkungen nötig, die nicht nur belastend sind, sondern auch existenzgefährdend. Einige Berufsgruppen und Betriebe sind dadurch verstärkt in Bedrängnis geraten. Natürlich ist unsere Hoffnung auf die Impfungen groß, doch so bald werden nicht in unsere alte Normalität zurückkehren können.

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Ostern – die Auferstehung Jesu Christi

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden,
Gott behält den Sieg.
Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des Herrn Werke verkündigen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Psalm 118

Am Ostersonntag freut sich die Christenheit über die Auferstehung Jesu Christi. Die Feier der Auferstehung beginnt schon in der Osternacht. Einem alten Brauch nach wird die Osterkerze zu Beginn der Osternachtfeier von Karsamstag auf Ostersonntag am geweihten Osterfeuer entzündet und in die vollkommen dunkle Kirche getragen. Symbolisch soll damit sichtbar werden, dass Jesu der Ursprung des Lebens ist und Licht in die Dunkelheit bringt.

„Mit dem Tod ist alles vorbei,“ glauben wir vielleicht. Das stimmt einerseits, denn mit dem Tod findet ein individuelles Leben sein Ende. Wir tragen unsere Verstorbenen zu Grabe und wir wissen, dass nie mehr so sein wird wie früher. Das ist schmerzlich. Als ob eine ganze Welt zerbrochen wäre. Und dann müssen wir noch einmal von vorne anfangen und uns neu organisieren. Wir müssen mit weniger zurechtkommen. Mit weniger Zuspruch, mit weniger Hilfe, mit weniger Gemeinschaft. Das ist nicht einfach. Das braucht seine Zeit. Die Welt, die wir zu kennen glaubten, ist nicht mehr so wie sie war. Das Leben, der Alltag fühlt sich jetzt anders an. So wie im Traum, manchmal wie hinter Glas, unwirklich und fremdartig. Sterben und Tod haben ihre Spuren hinterlassen und uns gefangen genommen. Der Schmerz um einen Menschen bindet uns, nicht die Dankbarkeit oder die Freude.

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