Kategorie: Ansprache

Gemeinschaft und Einsamkeit

Gründonnerstag –

Gott hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige Herr.
Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt ewig an seinen Bund.
Alle seine Ordnungen sind beständig.
Sie stehen fest für immer und ewig.
Sie sind wahrhaftig und recht.
Er sendet seinem Volk Erlösung.
Die Furcht vor Gott ist der Weisheit Anfang.
Wahrhaftig klug sind alle, die so handeln.

Psalm 111

Der Gründonnerstag erinnert an das Passahmahl (später Abendmahl), das Jesus als Abschieds- und Hoffnungsmahl am Abend vor seiner Gefangennahme am Karfreitag mit seinen engsten Vertrauten, den Jüngern, gefeiert hat. Der Name „Grün“-Donnerstag leitet sich wahrscheinlich von „gronan“ = weinen („greinen“) ab

Wir denken am Gründonnerstag an das Abendmahl, das Jesus mit seinen Freunden gefeiert hat. Wie jedes gemeinsame Essen, soll es nicht nur satt machen, sondern auch die Gemeinschaft stärken. Es erinnert an die Tradition der Befreiung und es soll wie auch immer neue Kräfte freisetzen. Essen ist Nahrung für uns, aber auch die Gemeinschaft und die überlieferten Traditionen stärken unsere Seelen. Sie spenden Mut und schenken neue Kraft. Doch diese Gemeinschaft ist gefährdet. Nicht alle ziehen an einem Strang. Es gibt Verleumdungen und Verurteilungen, Ängste und Schwächen tun sich auf, sogar Zorn und Hass. Wenn vieles auf dem Spiel steht, scheiden sich die Geister und aus Vertrauen wird Zweifel. Alle fragen sich: Bin ich’s? Werde ich standhalten können und treu sein oder wird am Ende meine Angst siegen und mich überwältigen? Werde ich Dinge tun, die nicht mehr gut zumachen sind?

Weiterlesen

Es spitzt sich zu

Palmsonntag – Die Krise spitzt sich zu

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Ich bin elend und voller Schmerzen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!
Gott, nach deiner großen Güte
erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Psalm 69

Eröffnet wird die Karwoche mit dem Palmsonntag. Der Palmsonntag schildert den Einzug Jesu nach Jerusalem. Die Menschen jubelten Jesus zu und streuten ihm grüne Zweige auf den Weg in die Stadt. Wenige Tage später wurde er gekreuzigt.

Mit dem Einzug Jesu nach Jerusalem spitzt sich die Situation zu. Viele Erwartungen ruhten auf ihm, die Hoffnung auf Befreiung lebte auf, der Glaube, dass jetzt alles besser werden würde. Andere hegten Befürchtungen: Was wenn es zu einem Aufstand kommt? Was wenn die Situation unkontrollierbar wird. Wenn Ordnung nur noch mit Gewalt hergestellt werden kann? Was ist, wenn der Handel zum Erliegen kommt und keine Geschäfte mehr gemacht werden können? Wenn die Preise steigen und die Nahrungsmittel knapp werden? Wenn die öffentliche Ordnung und die religiösen Gepflogenheiten nichts mehr gelten?

Weiterlesen

In der Karwoche April 2020

Es ist Krisenzeit – es ist Karwoche

In dieser Woche beginnt die Karwoche. Sie beginnt am Palmsonntag und reicht über Gründonnerstag und Karfreitag hinaus bis zum Osterfest. Wir erinnern uns in dieser Zeit an das Leiden und Sterben Jesu Christi und gehen in Gedanken diesen Weg mit. Es ist eine Zeit der Trauer und der Besinnung. Das althochdeutsche Wort „kara“ weist darauf hin, es bedeutet soviel wie Klage und Trauer.

Wahrscheinlich legen sich auch uns in dieser Zeit, die von Corono-Virus, Ansteckungsängsten und Existenzängsten geprägt ist, Trauer und Unsicherheit, Zorn und Resignation nahe und es gibt viel zu klagen. Statt zur Arbeit zu gehen, müssen wir jetzt im Homeoffice am Computer sitzen, statt zur Schule zu gehen oder die Ferien zu genießen, bekommen wir jetzt digitale Hausaufgaben ohne Ende. Eltern müssen jetzt verstärkt Job und Kinder unter einen Hut bringen. Das ist für uns alle nicht leicht. Viele Läden haben geschlossen und beim Einkaufen gehen stehen wir in gebührendem Abstand in der Warteschlange. Telefonhotlines sind überbelegt. Schnelle Hilfe ist nicht zu erwarten. Man muss sich selbst helfen.

Weiterlesen

Beten in schweren Zeiten

Psalm 91 (aus der Bibel)

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Psalm 91

Ein Handel mit Gott

Es ist ein uralter menschlicher Reflex. Wenn wir uns einer übermächtigen Gefahr oder einem übermächtigen Gegner gegenüber sehen, versuchen wir zu verhandeln. Oft wird mit Gott gehandelt und manchmal mit dem Tod. Im Alten Testament verhandelt Abraham mit Gott um den Untergang von Sodom und Gomorra zu verhindern. (1. Mose 18,16ff.) Doch welche Argumente hat Abraham? Die Verhandlungspartner einigen sich schließlich nach langen Verhandlungsrunden. Wenn sich zehn Gerechte in Sodom und Gomarra finden ließen, so würde Gott die Städte nicht untergehen lassen. Leider fanden sich keine zehn, und die Städte gingen wie wir alle wissen unter. Es ist schwierig mit Gott zu handeln, denn was können wir als Gegenleistung anbieten? Ist es nicht immer zu wenig, im Angesicht der Schuld und der Probleme, die wir täglich auf uns laden? Wer mit Gott rechten will, wie es die Bibel nennt, kann wenig in die Waagschale legen, gerade auch deshalb weil wir nicht das tun, was wir uns eigentlich vorgenommen haben und unsere Taten hinter unseren Absichten zurückbleiben. Welche Argumente könnten wir in so einer Verhandlung vorbringen, wie sie einst Abraham geführt hat und auf was könnten wir pochen. Was ist diese Welt wert und warum sollte sie nicht untergehen? In allen diesen Fragen geht es letztlich geht es darum, was unser Leben wert ist und warum es gut ist.

Weiterlesen